Leseprobe zu “Reitstunden der Lust”

Sein Timbre in der Stimme ließ sie die Augen schließen. Steffi hätte nie geglaubt, dass ihr die Berührung eines Mannes jemals gefallen könnte, die Berührungen des Mannes damals waren jedenfalls alles andere als vorsichtig gewesen. Als ihr das wieder in den Sinn kam, riss sie die Augen auf und die Panik war wieder da. Max konnte die Veränderung nicht nur in ihren Augen sehen, ihr ganzer Körper, der eben noch entspannt an ihn gelehnt gewesen war, drückte jetzt Abwehr und Anspannung aus.

„Was ist Stefanie”, fragte er.

Sie wollte gerade mit ihm nicht darüber reden und schüttelte nur leicht den Kopf.

„Ich halte das nicht aus, bitte lass mich endlich los”, flüsterte sie tonlos.

Doch er schüttelte leicht den Kopf. „Nein, das werde ich nicht tun. Versuch mir zu vertrauen, Kleines.”

Tränen traten in ihre Augen und sie zitterte unkontrolliert. Sie schloss verzweifelt die Augen.

„Sieh mich an Stefanie”, seine Stimme klang unerbittlich.

Sie öffnete die Augen und er konnte die Tränen darin schimmern sehen.

„Konzentrier dich auf deine Gefühle, lass alles zu, was du fühlst.”

Sie schluckte schwer und fühlte nichts als Angst. Doch dann sah sie in seine grünen Augen, die so zärtlich schimmerten und irgendwie beruhigte sie sein Blick.

„Sag mir, ehrlich, hast du Angst vor mir?” 

Steffi dachte einen Moment nach, dann nickte sie ganz leicht.

„Ja, du machst mir Angst, wenn du mich berührst, wenn du mich zwingst, dir zu gehorchen“, flüsterte sie.

Max hielt sie jetzt zärtlich umfangen und drückte ihren Kopf an sich. Und endlich spürte er, wie sie sich fallen ließ, sich ihm ergab.

„Hast du nur Angst vor meiner Berührung, Kleines”, fragte er leise.

„Nein, ich mag es überhaupt nicht von einem Mann berührt zu werden, dass macht mir Angst.”

Sie drückte ihr Gesicht fest an seine Brust, um ihm bei diesem Geständnis nicht in die Augen sehen zu müssen.

Dann spürte sie, wie er leise lachte.

„Aber du hast keine Angst mich zu berühren oder”, fragte er belustigt.

Sie versuchte sofort von ihm weg zu kommen, aber er hielt sie fest.

„Es ist okay, Kleines, wirklich. Du musst keine Angst haben.”

Er brachte sie zurück in die Sattelkammer und setzte sich. Dann zog er sie auf seinen Schoß.

„Ich werde es dir noch mal erklären, Steffi.”

Sie sah ihn angstvoll an, denn diese Erklärung wollte sie nicht hören.

„Ich werde immer für dich da sein, für alle deine Ängste, Probleme und sonstigen Schwierigkeiten. Ich werde dich beschützen, darauf kannst du dich immer verlassen. Aber ich werde dich auch zwingen mir zu gehorchen“, er machte eine kurze Pause.

„Und ich werde dich dazu erziehen mir zu vertrauen, und wieder ein normales Leben zu führen. Und dazu werde ich jedes Mittel nehmen, das mir zur Verfügung steht.” Er machte eine kurze Pause und sah in ihr mittlerweile ungläubiges Gesicht. „Auch wenn ich dich übers Knie legen müsste. Oder dich in meinem Zimmer einsperren. Aber es liegt auch an dir, wie hart ich werde.”

„Aber ich bin doch kein kleines Kind mehr, das erzogen werden muss“, warf sie schüchtern ein.

„Das stimmt, aber du hast verlernt zu vertrauen und du hast dich hinter deinen Schutzwällen so verbarrikadiert, dass du selbst, wenn du es wolltest, ohne Hilfe nicht mehr herauskämst.”

Darin musste sie ihm einfach Recht geben, aber die Hilfe, die er ihr anbot, war für sie so unvorstellbar. Max merkte, dass sie jetzt erst mal mit allem klarkommen musste. Er lächelte sie an, dann senkte er seine Lippen auf ihre. Sofort kam die erwartete Gegenwehr, aber er legte eine Hand in ihren Nacken und zwang sie seinen Kuss entgegenzunehmen.

Verwundert bemerkte Steffi, dass sie hinter ihrer Angst ganz deutlich die Schmetterlinge in ihrem Bauch fühlte, die dieser Kuss in ihr auslösten. Sie wusste, wenn sie ihre Angst überwinden könnte, dann würde sie sich haltlos in Max verlieben.

Und auch seine Dominanz erschienen ihr sogar in diesem Moment einfach nur richtig. 

Der Kuss endete für Stefanie viel zu früh und sie sah Max verwundert an.

Doch er lächelte sie zärtlich an. „Wir werden noch viel mehr Zeit zusammen verbringen können, aber jetzt sollten wir uns um die Pferde kümmern, okay?”

Sie nickte verlegen und rutschte von seinem Schoß. „Die ersten Reitschüler kommen heute erst um 16.00 Uhr. Womit sollen wir also anfangen?” fragte sie schüchtern.

„Wir nehmen uns zwei Pferde und du zeigst mir das Gelände“, meinte Max und nahm zwei Trensen von der Wand.

Max kannte die Pferde nicht und ließ sich von Steffi eine hübsche schwarze Stute geben. Steffi selbst nahm eins der Reitschulpferde, dass sie sowie so seit einigen Wochen in Beritt hatte. Schweigend ritten sie nebeneinander vom Hof.

Max bemerkte sehr schnell, dass Steffi lange Umwege in Kauf nahm, um nicht in das kleine Waldstück direkt neben dem Gestüt reiten zu müssen. Er fragte sich, warum, aber für heute hatte er sie genug schockiert. Er wollte sie auf keinen Fall überfordern. So ritt er schweigend neben ihr und sah sich das Gelände und die Koppeln an. Wie er erwartet hatte, hatte Manfred wirklich gute Pferde Einige kannte Max schon, besonders die Zuchtstuten, denn er war immer auf dem Laufenden und kannte das Elite-Zuchtbuch fast auswendig.

Nach fast 1,5 Stunden kamen sie wieder auf dem Hof an. Steffi fragte sich, warum sie die Gegenwart von Max, sogar irgendwie genoss.

Obwohl sie doch vor ihm mehr Angst haben müsste als vor sonst wem. Aber auch wenn sie sich verzweifelt gegen den Gedanken wehrte, es fühlte sich alles so verdammt richtig an.

Als sie Max jedoch wieder ins Gesicht sah, wurde ihr klar, dass er sie völlig überwachen würde. Und das konnte sie nicht zulassen, allein ihr Stolz und ihre Angst hinderten sie daran zu.

Ihre Gedanken spiegelten sich in ihren Augen und Max musste grinsen. Es würde noch eine ganze Zeit dauern, bis sie sich fügen würde, aber es würde ihm viel Spaß machen sie dahin zu bringen.

Als sie die Pferde versorgt hatten, machte Steffi sich daran die wenigen Boxen, die im Sommer genutzt wurden auszumisten. Sie dachte, dass sie so wenigstens eine kleine Pause haben würde, aber Max hielt sein Wort und beteiligte sich auch an dieser Arbeit. In kurzer Zeit waren sie fertig.

„Weißt du, was du an Theorie lernen musst”, fragte er freundlich.

Steffi nickte. „Ja, und ich habe schon vor einiger Zeit angefangen zu lernen. Es dürfte kein Problem sein.”

Ihre Stimme klang herausfordernd und sie sah ihn aufmüpfig an.

„Das freut mich. Dann kann ich dich ja nach den Reitstunden abhören“, meinte Max beiläufig, doch als er ihren verzweifelten Blick sah, wurde er weich. „Oder ziehst du es vor mit mir schwimmen zu gehen”, fragte er leise.

Und seine Stimme ließ ihr Herz etwas schneller schlagen.

„Ich gehe eigentlich jeden Tag schwimmen“, gab Steffi leise zu.

„Dann solltest du das auch beibehalten. Ich werde dich einfach begleiten.” Damit drehte er sich um und ging auf das Haus zu.

Stefanie sah ihm verdutzt hinterher. „Jetzt komm schon, deine Tante wartet mit dem Mittagessen auf uns und waschen willst du dich doch sicher auch vorher oder”, rief er ihr über die Schulter zu.

Steffi setzte sich wie in Trance in Bewegung und ging zum Hause rüber.

Während des Mittagessens war sie sehr still und sich der prüfenden Blicke von Svana und Manfred durchaus bewusst, aber sie wollte nichts sagen, sie wollte einfach alles verarbeiten. Am liebsten wäre sie für den Rest des Tages in ihr Zimmer verschwunden, aber das Wissen, dass Max sie nicht dort lassen würde, machte jeden Gedanken daran zunichte. Sie spürte ihn mit jeder Faser ihres Seins, obwohl Svana ihn weit weg von ihrem Stammplatz gesetzt hatte.

Max bemerkte die nachdenkliche Stimmung seines Schützlings sehr wohl und er freute sich insgeheim darüber. Denn er wusste, dass sie jetzt nachdachte und er hoffte, dass das Schlimmste an Widerstand vorbei war. Aber sehr viele Hoffnungen, dass es wirklich so war, machte er sich nicht. Spätestens morgen, wenn sie darüber geschlafen hatte, würde die Sache schon wieder anders aussehen.

Das Essen verlief schweigsam, und als der Tisch abgeräumt war, sah Steffi Max fragend an. Er lächelte ihr zu.

„Was hältst du von einer Reitstunde”, fragte er leise.

„Du fragst mich wirklich, ob ich das jetzt will“ gab Steffi zurück und ein leicht ironischer Ton mischte sich in ihre Stimme.

Max stand auf und bedeutete ihr zu folgen. Seufzend ging sie hinter ihm her bis in den Innenhof.

Dort konnte man sie von der Küche aus nicht mehr sehen. Max drehte sich um und packte Steffi an den Schultern. Verängstigt zuckte sie zusammen, sie hielt den Blick gesenkt, weil sie sich sicher war, dass Max ziemlich wütend war und sie wollte nicht sehen, wie seine Augen zornig blitzten.

Max merkte sofort, dass sie Angst vor ihm hatte und sein Griff wurde weicher.

 „Steffi sieh mich an”, sagte er bestimmt.

Sie hob unsicher ihren Blick, um dann erstaunt zu registrieren, dass er sie liebevoll ansah.

„Ich werde dich noch sehr oft fragen, was du denkst, Kleines“, begann er. „Nur weil ich dich kontrolliere, heißt das nicht, dass ich auf deine Meinung keinen Wert lege. Und, noch was”, er machte ein kleine Pause während er sie ansah.

Sein Blick tauchte kurz in ihre türkisfarbenen Augen.

„Egal wie du reagierst, es wird immer auf dich zurückfallen. Vielleicht nicht sofort, aber ich merke mir alles. Egal ob du brav bist oder, ob du, so wie eben versuchst mich herauszufordern oder dich mir gar widersetzt.” Dann ließ er sie los.

Steffi verschwand sofort im Paddock hinter dem Haus, um sich eins der Jungpferde zu holen. Denn sie würde nicht nur auf den gut ausgebildeten Pferden ihres Onkels die Prüfung bestehen können. Max sah ihr lächelnd hinter her.

„Sie lernt sehr schnell“, dachte er grinsend und ging dann zur Halle.

Steffi beeilte sich in die Halle zu kommen, sie wollte das alles hinter sich bringen und dann endlich in Ruhe in ihrem Zimmer nachdenken können.

Sie verstand die Welt nicht mehr. Was passierte nur mit ihr? Noch in Gedanken hätte sie Max beinahe in der Halle über den Haufen gerannt. Prüfend sah er sie an und bemerkte sofort wie müde sie aussah. „Geht es dir gut”, fragte er leise.

Steffi nickte und lächelte leicht. „Klar, warum?”

Max sah sie wieder prüfend an, die Ringe unter ihren Augen hatte er heute Morgen nicht bemerkt. Sie sah aus, als wenn sie kaum geschlafen hätte. Doch er strich ihr nur vorsichtig über die Wange und schickte sie dann los. Sein Unterricht war wieder sehr anstrengend und Steffi kam nass geschwitzt aus der Halle.

Sie war wirklich müde, denn auch in dieser Nacht hatte sie wieder einen Alptraum, der sie gegen 1.00 Uhr geweckt hatte und sie war erst gegen 4.30 Uhr wieder eingeschlafen. Normalerweise hätte sie die Zeit jetzt für einen Mittagsschlaf genutzt und Manfred und Svana war es nie aufgefallen, wenn sie sich mittags zurückgezogen hatte. Aber Max würde eine Erklärung fordern und die konnte und wollte sie ihm nicht geben. Also versorgte sie ihr Pferd und schickte ihn dann wieder in den Paddock.

Max beobachtete sie und er konnte von weitem sehen, dass sie erschöpft war.

Aber warum war sie so müde? Sie war bestimmt nicht um die Häuser gezogen. Er nahm sich vor, sie den Rest des Tages zu schonen. Als er auf die Uhr sah, merkte er, dass es schon später war, als er angenommen hatte.

Es war schon kurz vor 15.00 Uhr.

„Was machen wir jetzt”, fragte Stefanie plötzlich hinter ihm.

Er drehte sich um und sah sie nachdenklich an. „Eigentlich würde ich dir eine Theoriestunde geben, aber ich denke nicht, dass das jetzt gut wäre.”

Heimlich stimmte Steffi ihm zu. Sie musste ein Gähnen unterdrücken und der Gedanke jetzt irgendwo zu sitzen und einfach nur zuhören zu müssen, gefiel ihr ganz und gar nicht.  Bestimmt würde sie dann einschlafen. Es war ja nicht der erste Alptraum, der sie diese Woche geweckt hatte. Insgesamt war sie in den letzten 5 Nächten aus dem Schlaf gerissen worden. Immer zu verschiedenen Zeiten. Es fehlte ihr ziemlich viel Schlaf.

„Du gehst jetzt in dein Zimmer und legst dich hin, bis die Reitschüler kommen, dann brauche ich dich leider erst mal wieder“, sagte Max in ihre Gedanken hinein.

Steffi sah ihn verdutzt an und schüttelte dann den Kopf. „Nein, mir geht es gut und ich werde mich jetzt bestimmt nicht hinlegen. Dann longiere ich lieber die zwei Jährlinge, die hier vorne am Haus stehen.” Dickköpfig sah sie ihn an.

Max ließ seinen Blick über ihre Figur gleiten und sah ihr dann direkt ins Gesicht. Langsam zog er mit dem Zeigefinger die Ringe unter ihren Augen nach.

„Ich bin nicht blind, Stefanie. Du bist so müde, dass du gleich umfällst. Ich werde auch auf deine Gesundheit achten, glaub mir, wenn du dazu nicht in der Lage bist, ich bin es.”

Steffi schlug zornig seine Hand weg.

„Du kannst wohl alles oder? Du hast noch nie schlecht geschlafen und müde hast du dich wohl auch noch nie gefühlt“, schrie sie ihn an.

Sie ertrug diese Bevormundung nicht länger und sie hatte Angst, dass er sie fragen würde, warum sie kaum geschlafen hatte. Er würde es aus ihr herausbekommen und dann würde der Alptraum von vorne beginnen.

Sie würde sich überhaupt nicht mehr in die Nähe eines Mannes trauen und sie würde sich wieder in ihrem Zimmer verbarrikadieren, wie damals.