Emma - Eigentum des Dämons

Ängstlich kauerte Emma sich an der brüchigen Mauer zusammen. Ihre Kleider waren zerrissen und sie fror erbärmlich. Sie saß im Schneematsch und konnte den Blick nicht von der Szene vor ihr nehmen.

„Pass auf, Jill“, schrie der Dämon mit dem Loch im Schädel jetzt auf.

Sie zuckte zusammen und versuchte sich noch kleiner zu machen. Der Kampf vor ihr war brutal und sie wusste nicht, was geschah, wenn das Pärchen gewann. Dabei wusste sie ganz genau, was passierte, wenn der einzelne Dämon gewann, der gerade wütend aufbrüllte. Seit fast drei Wochen befand sie sich schon in der Gewalt des Dämons und er hatte ihr sehr deutlich gemacht, dass es diese Wesen wirklich gab.

Zuerst hielt Emma das alles für einen dummen Scherz, als dieser Mann sie in sein Auto zerrte und losfuhr. Im ersten Moment kam sie gar nicht auf die Idee, dass er sie entführen wollte. Wieso auch? Bei ihr gab es nichts zu holen, ihre Eltern waren Rentner, die keinen Cent zu viel hatten.

Energisch erklärte sie ihm, dass es unlogisch wäre, sie mitzunehmen, denn sie selbst besaß keine Reichtümer. Als Verkäuferin im Einzelhandel verdiente man eben keine goldene Nase.

Der Dämon stellte sich charmant vor und versicherte ihr, dass sie keine Angst haben müsse. Seinen echten Namen verschwieg er ihr wohlweislich und nannte sich Jörg.

„Moloch gib auf, du weißt, dass du uns nicht entkommen kannst“, schrie der andere Dämon wieder und Emma zuckte zusammen.

Mehrfach erklärte sie Jörg, dass sie zurück nach Hause müsse, aber er reagierte gar nicht darauf, zumal sie ihm den wahren Grund nicht sagen konnte. Mit seiner charmanten Art brachte er sie dazu, still zu sein. Sie schüttelte immer noch den Kopf über sich selbst, sie hätte alles tun müssen, um ihm zu entkommen.

Erst als sie in seinem Haus am Rande der Stadt ankamen, zeigte er sein wahres Gesicht. Gierig riss er ihr die Kleider vom Leib und vergewaltigte sie, dabei ließ er die menschliche Verkleidung fallen. Natürlich dachte Emma am Anfang, dass sie Wahnvorstellungen hatte, doch er belehrte sie eines besseren.

Seit drei Wochen wurde sie misshandelt, missbraucht und eingeschüchtert, bis heute. Moloch, oder Jörg, wie er sich nannte, hatte sie an den Haaren aus der Kammer gezogen, in der sie hauste. Eine Erklärung bekam sie nicht, nur die Information, dass sie sofort weg müssten. Das Auto ließ er stehen und rannte mit ihr los, aber wie aus heiterem Himmel waren die zwei Menschen aufgetaucht.

Eine mollige Frau, die erstaunlich schnell laufen konnte, blond mit grünen Augen und ein sehr gut aussehender Mann mit schwarzen Haaren. Die beiden trieben Jörg und sie in diese Sackgasse. Hier stieß Jörg sie von sich und sie prallte gegen die Wand, wo sie sich zusammenkauerte.

Emma traute ihren Augen kaum, als die Menschen sich verwandelten. Als ob sie ihre Kleider tauschten, standen plötzlich zwei Dämonen vor ihnen.

Zitternd barg sie den Kopf in den Armen, wenn sie nur wüsste, was mit ihr passierte, falls Jörg den Kampf verlor. Angstvoll hob sie den Blick wieder, auf keinen Fall wollte sie eine Überraschung erleben.

Brüllend ging Jörg auf die Dämonenfrau los, doch er prallte kurz vor ihr zurück, als ob er gegen eine Glaswand gelaufen wäre. Wütend stampfte er auf und seine Augen leuchteten hellrot. Schnell drehte er sich um und stürmte auf den schwarzhaarigen Dämon zu.

Emma sah etwas Bläulich-flimmerndes durch die Luft fliegen und Jörg musste auch vor dem Mann stoppen, als ob er von einem Schild geschützt würde.

„Jetzt Damon“, schrie die Frau, und ehe Jörg sich versehen hatte, donnerte schon eine Faust in sein Gesicht.

Dummerweise fiel er nicht einfach um, wie Emma es sich heimlich wünschte, sondern schüttelte sich nur benommen. Aber sein Gegner setzte unerbittlich nach, die Schläge hagelten auf ihn nieder, während die Dämonin ihren Partner mit diesem seltsamen Schild schützte.

Immer wieder rappelte Jörg sich auf und versuchte taumelnd einen Treffer zu landen, doch er hatte keine Chance. Schließlich brach er auf dem Asphalt zusammen. Sofort war die Frau über ihm und fesselte ihn mit einem breiten Grinsen, dann sah sie ihren Partner liebevoll an.

„Alles in Ordnung mit dir, Liebling?“, fragte sie besorgt.

Der andere Dämon lachte leise und zog sie fest an sich.

Emma sah misstrauisch zu den beiden rüber und hoffte, dass der ganze Spuk endlich ein Ende hatte.

Jill genoss einen Moment den Kuss ihres Mannes, dann schob sie ihn mit einem Nicken in Emmas Richtung von sich. Schnell verwandelten sie sich in Menschen und gingen vorsichtig auf das zitternde Bündel zu.

„Jetzt wird alles wieder gut, ich bin Jill“, damit hockte sie sich zu der verängstigten Frau.

Emma sah sie mit aufgerissenen Augen an, es konnte nicht gut sein, denn dieses Wesen neben ihr, sah vor ein paar Minuten noch ganz anders aus. Als die Frau eine Hand ausstreckte, zuckte sie erschrocken zusammen.

„Verstehst du mich?“, erkundigte Jill sich.

Ihr war klar, dass die Frau vor ihr unendliche Angst ausgestanden hatte, aber sie musste doch erkennen, dass sie ihr helfen wollten.

Langsam nickte Emma, rückte trotzdem vorsichtig ein Stück von ihr weg.

„Ja kann ich, ihr beide seid auch Dämonen oder nicht?“, brachte sie zitternd hervor.

Damon fluchte leise, dann lächelte er sie an.

„Stimmt das sind wir, allerdings gibt es da einen entscheidenden Unterschied, wir sind die Guten“, erklärte er lachend.

Ungläubig blickte Emma ihn an und er erkannte sofort, dass sie ihm kein Wort glaubte.

„Wirklich wir wollen dir helfen. Egal was passiert ist, wir finden da schon eine Lösung“, versuchte Jill es erneut.

Wieder sah Emma die mollige Frau entgeistert an. Eben war sie noch schlank mit einem langen Schwanz und einer Haut, wie ein Feuersalamander gewesen. Das konnte doch alles nicht stimmen, Dämonen waren nicht gut. Jörg oder Moloch, wie er wirklich hieß, hatte es ihr auf schmerzhafte Weise deutlich gemacht.

„Was habt ihr mit mir vor?“, erkundigte sie sich leise.

Jill lächelte sie freundlich an und überlegte einen kleinen Moment.

„Wir werden dich nach Hause bringen, sobald wir deine Aussage haben, damit wir Moloch vor ein Gericht stellen können“, antwortete sie ihr ehrlich.

Noch ehe sie den Satz ausgesprochen hatte, stieg ein dicker, schwarzer Nebel auf und sie hörte jemanden gehässig lachen. Fluchend sprang sie auf und prallte im nächsten Moment gegen Damon, der genauso in Richtung Molochs gesprungen war. Doch der Nebel war einfach zu dicht, sie konnten die Hand nicht vor Augen sehen, außerdem stank es fürchterlich, was ihnen den Atem nahm. Erst nach einer ganzen Weile lichtete sich der undurchdringliche Rauch. In dem Augenblick bemerkten sie, dass Moloch nicht mehr da war.

„Verdammt“, fluchte Damon und rannte aus der Sackgasse heraus.

Jill stand direkt vor Emma und suchte die Umgebung mit ihren Augen ab, auf keinen Fall würde sie zulassen, dass dieser Dreckskerl die Frau noch einmal in seine Finger bekam. Plötzlich nahm sie über sich an der Hauswand ein Geräusch wahr. Sie sah nach oben und mache einen Schatten aus.

„Pass gut auf sie auf, sonst komm ich sie holen und bring sie wieder zu Moloch. Er wartet schon sehnsüchtig auf sie“, rief der Dämon über ihr lachend, dann kletterte er wie eine Spinne die Wand hoch.

Jill konnte nichts tun, als ihm hilflos hinterher zu sehen. Diese Drohung war unmissverständlich, außerdem hatten sie ein weiteres Problem, solange Moloch auf freiem Fuß war, durften sie die junge Frau nicht aus den Augen lassen. Für den dunklen Dämon stand alles auf dem Spiel und er zögerte bestimmt nicht, um sie aus dem Weg zu räumen.

Damon kam zurück und sah gerade noch, wie der andere Dämon sich auf das Dach zog, aber auch er musste hier passen.

„Bitte steh auf und komm mit uns. Wir müssen dich an einen sicheren Ort bringen“, bat er die junge Frau.

Schnell schüttelte Emma den Kopf, auf keinen Fall würde sie mit einem Dämon mitgehen. Einmal war sie dumm genug gewesen nicht sofort zu schreien, diesen Fehler wollte sie nicht wieder machen. Nur nutzte schreien ihr hier nichts, also zog sie die Knie noch enger an den Körper, als wolle sie sich so schützen.

Jill zog Damon ein paar Schritte von der Frau weg und sah ihm in die Augen.

„Wir müssen Ryan holen, er wird mit ihr reden und sie überzeugen“, flüsterte sie in der rollenden Sprache der Dämonen.

Damon blockte schnell ab.

„Nein, wenn er ihr Gedächtnis löscht, wird sie nicht gegen Moloch aussagen können und ihre Aussage brauchen wir unbedingt“, gab er zu bedenken.

Unwillig schüttelte Jill den Kopf.

„Die Aussage eines Menschen hilft bei weitem nicht so viel, wie du gerne hättest. Wir müssen sie hier wegbringen, ehe er oder einer seiner Sippe zurückkommt. Mach schon Liebling“, drang sie in ihn.

Seufzend legte er beide Arme um seine Frau und sah ihr tief in die Augen.

„Wenn Ryan ihr die Erinnerung nimmt, wird sie nicht bezeugen können, dass Moloch sie entführt hat. Er hat die gesamte Dämonenwelt gefährdet und gegen unsere Gesetze verstoßen. Glaub mir Kleines, diese Aussage wird reichen“, erklärte er noch einmal geduldig.

Seufzend nickte sie und dachte einen Moment lang nach.

„Hol ihn bitte trotzdem her, er soll aber in Menschengestalt kommen. Vielleicht kann sie ihm vertrauen, weil sie ihn nicht in seiner richtigen Gestalt gesehen hat“, bat sie nach einer kleinen Weile.

Damon wusste, dass Ryan nicht nur die Begabung hatte, das Gehirn der Menschen zu manipulieren, sondern auch im Umgang, gerade mit Frauen, sehr geschickt war. Viel geschickter als er selbst. Seufzend zog er sein Handy aus der Tasche und drückte auf die Kurzwahl für seinen Bruder.

„Hi Ryan kannst du bitte kommen? Ich fürchte wir brauchen deine Hilfe“, sagte er ohne große Einleitung.

Lächelnd nickte Jill ihrem Mann zu und ging wieder zu der verängstigten Frau rüber, während Damon seinem Bruder erzählte, was genau passiert war.

„Ich weiß, wie erschreckend das alles ist“, begann Jill, als sie sich neben Emma sinken ließ.

Entsetzt sah die junge Frau sie an und drückte sich noch dichter an die Mauer. Sie hatte die grollenden und brüllenden Laute gehört, als dieses Wesen sich mit ihrem Mann unterhielt. Für sie hörte sich das einfach nur fürchterlich bösartig an.

„Lassen sie mich hier“, flüsterte Emma.

Wie sehr sie wünschte, dass der Albtraum endlich vorbei wäre, aber solange die beiden Dämonen bei ihr blieben, konnte sie nicht daran glauben.

„Wenn ich dich hierlasse, dann wird Moloch wiederkommen. Willst du das wirklich?“, fragte Jill eindringlich.

Ganz langsam schüttelte Emma den Kopf, natürlich wollte sie nicht, dass dieser widerliche Kerl zurückkam. Aber sie würde bestimmt nicht mit irgendwelchen fremden Dämonen weggehen. Wer wusste schon, was die beiden mit ihr vorhatten?

Nach einer kleinen Weile schlenderte ein weiterer Mann auf sie zu, der dem Dämon an Jills Seite sehr ähnlich sah. Auch er hatte schwarze Haare, war groß und durchtrainiert, allerdings hatte er blaue Augen. Trotz seiner lässigen Kleidung, die aus Jeans, Stiefeln und einer dicken Jacke bestand, machte er eher den Eindruck eines Rechtsanwalts. Warum Emma dieser Gedanke kam, konnte sie nicht mit Bestimmtheit sagen.

Jill und ihr Mann begrüßten den Typen erfreut und flüsterten einen Moment lang mit ihm. Emma sah es, aber sie interessierte es nicht. Ihr war eisig kalt und sie hatte es satt vor Angst zu zittern.

Der Typ kam zu ihr rüber und setzte sich einfach auf den Platz neben ihr.

„Ich bin Ryan“, stellte er sich freundlich vor.

„Emma“, entgegnete sie immer noch misstrauisch.

„Freut mich Emma, möchtest du nicht langsam ins Warme?“, fragte er behutsam und sah bedeutungsvoll auf den nassen Boden.

„Ich glaube, es ist besser hier zu bleiben“, wich sie seiner Frage aus, dabei sah sie stur auf ihre Hände, die ihre Knie umklammerten.

Ryan nickte verständnisvoll und tastete vorsichtig ihre Erinnerungen ab, damit er sie so manipulieren konnte, dass sie mit ihm käme.

„Was machen sie mit mir?“, fragte Emma angstvoll, als sie spürte, wie er in ihren Geist eindrang.

Entsetzt sprang sie auf und wollte wegrennen, doch Ryan hatte sie schon gepackt und zog sie fest an sich.

„Du kannst das spüren?“, erkundigte er sich verwirrt.

Steif vor Angst stand sie in seiner Umarmung, starrte ihm zitternd in die Augen und nickte nur leicht.

Ein Lächeln glitt über sein Gesicht und sie konnte in seinen hellblauen Pupillen einen kleinen roten Funken aufglimmen sehen. Mit einer Hand hielt er sie fest, mit der anderen strich er ihr vorsichtig über die Wange.

„Ganz ruhig, ich werde dir nichts tun“, flüsterte er.

Wieder drang er in ihren Geist ein, merkte aber schnell, dass er nichts verändern konnte. Es war, als ob er die Gedanken nicht zu packen bekam. Seine Gabe funktionierte bei ihr einfach nicht.

Wie ein Wunder sah er sie an, dann hob er sie auf seine Arme und trug sie aus der Sackgasse raus direkt in ein wartendes Auto.

Emma war so erstarrt, dass sie nicht mal daran dachte, sich zu wehren, und als es ihr wieder in den Sinn kam, befanden sie sich bereits auf der Autobahn. Sie rückte auf dem Rücksitz so weit weg, wie sie konnte, und blickte misstrauisch auf den Mann.

Ryan lächelte ihr zu, blieb aber auf seinem Sitz, hier im Wagen würde er nichts erreichen, außerdem wollte er nicht, dass sein Fahrer etwas mitbekam.

Normalerweise konnte er sich, wie alle Dämonen, rasend schnell bewegen, meistens zu schnell für das menschliche Auge. Nur wenn er als Diplomat unterwegs war, dann nutzte er die Limousine und einen Chauffeur. Als sein Bruder ihm erklärte, was los war, war ihm klar gewesen, dass er die Frau dort wegbringen musste und sie vertraute keinem von ihnen, also hatte er auf das Auto und den Fahrer zurückgegriffen. Zumal er sie nicht noch mehr erschrecken wollte.

Vor seinem Appartment hielt der Fahrer an und Ryan sah Emma tief in die Augen.

„Kommst du bitte mit oder muss ich dich tragen?“, fragte er ruhig.

„Was hast du mit mir vor?“, erkundigte sie sich.

Auf keinen Fall ginge sie brav mit ihm, damit er sie vergewaltigen konnte, oder foltern, so wie Jörg es getan hatte.

„Ich möchte nur mit dir reden und dich beschützen, solange Moloch frei ist“, antwortete er.

Emma schluckte und überlegte einen Moment. Wenn sie weglief, würde Jörg sie in die Finger bekommen, wenn sie blieb, wusste sie nicht, was passierte. Vielleicht war dieser Mann hier noch schlimmer. Allerdings sah er gar nicht so aus, aber Jörg hatte sie es auch nicht angesehen.

Mit einem schnellen Griff zog Ryan sie auf seinen Schoß, dann stieß er die Autotüre auf und trug sie bis vor die Tür seines Appartments.

Emma strampelte mit den Beinen, schlug auf ihn ein und versuchte irgendwie loszukommen, doch nichts half. Sie wollte schreien, aber da standen sie bereits vor seiner Tür und er stellte sie auf ihre eigenen Beine. Erneut trat sie nach ihm, biss ihm sogar in die Hand und einen kleinen Augenblick, dachte sie, dass sie frei sei. Dummerweise kam sie nicht mal bis zur Treppe, da hatte Ryan sie auch schon wieder auf seine Arme gehoben und in das Appartement getragen. Sobald er sie abgesetzt hatte, schrie sie aus Leibeskräften, doch sofort war er bei ihr und hielt ihr den Mund zu.