Leseprobe “Maskenball der Lüste” 

Sie drehte sich vor dem Spiegel und lachte. Immer hatte sie davon geträumt mal ein solches Kleid zu tragen und dann wirklich damit in die Öffentlichkeit gehen zu dürfen. Es war ein Ballkleid mit weitausgestelltem Rock und eng geschnürter Taille. Dazu trug sie lange Handschuhe, Schuhe mit sehr hohen Absätzen und einem Mantel aus einem bordeauxroten Pannesamt. Dezent geschminkt und mit einer Maske in der Hand ging sie die Treppe runter zu dem Auto, das sie erwartete. Ihr Freund hatte ihr versprochen sie abzuholen und wenn sie pünktlich sein wollte, sollte sie sich beeilen. 
Lachend öffnete sie die Autotür und setzte sich. Doch dann verstummte sie, denn die Stimme, die erklang war keineswegs die ihres Freundes.
„Guten Abend, meine Liebe, schön Dich zu sehen”, sagte diese markante Stimme, die ihr sofort eine Gänsehaut über die Arme laufen ließ.
Neugierig versuchte sie durch die Dunkelheit den Mann neben sich zu erkennen, denn die Stimme konnte sie nicht einordnen. Aber es war einfach zu dunkel, nicht mal die Straßenlaternen drangen durch die getönten Scheiben.
„Oh entschuldigen Sie bitte, ich denke ich bin im falschen Auto”, brachte sie nervös hervor.
Damit wollte sie aussteigen. Aber im gleichen Augenblick spürte sie eine Hand auf ihrem Arm.
„Nein bitte bleib, Du bist richtig hier. Ich habe Jens gebeten Dich abholen zu dürfen und er hat zugesagt.” Er machte eine kurze Pause. „Du brauchst keine Angst zu haben.”
Sie lachte leise, auf keinen Fall würde sie zugeben, dass sie Angst hatte und sie waren ja nicht mehr im vergangenen Jahrhundert, wo eine Frau sich nicht in Begleitung eines Mannes zeigen durfte.
„Gut, dann lassen Sie uns fahren.”
Die Fahrt war nur kurz und schnell hatten sie das Theater erreicht in dem heute der Maskenball stattfinden würde. Galant half er ihr aus dem Auto und sie sah ihm gebannt ins Gesicht, denn sie wollte endlich wissen wer er war. Wenn sie ehrlich war, dann faszinierte sie dieser Mann, allein seine Stimme ließ sie erschauern. Enttäuscht musste sie feststellen, dass eine Maske sein Gesicht verhüllte, aber der Rest konnte sich sehen lassen. Gott hatte er einen knackigen Hintern. Als ihr dieser Gedanke durch den Kopf schoss, musste sie kichern und er sah sie fragend an. Doch sie schüttelte nur errötend den Kopf. Nein, dass konnte sie ihm unmöglich sagen, nicht diesem Fremden.
Außerdem würde sie ihn gleich los sein, denn sie würde sich heute ihrem neuen Herrn und Meister auf diesem Maskenball unterwerfen. Wieder kamen die Zweifel hoch, denn eigentlich war er nicht wirklich das was sie suchte. Auch Jens hatte sie gewarnt, deshalb hatte er sie auch begleiten wollen. Er dachte er könnte es verhindern. Sie wusste Martin war zu vulgär, zu ungebildet, zu grob und auch viel zu unhöflich. Aber sie hatte sich es nun mal in den Kopf gesetzt, außerdem war sie schon viel zu lange alleine. Schon der Gedanke endlich wieder spielen zu können, ließ sie nass werden. Wenn sie jetzt allerdings richtig nachdachte, dann wusste sie, dass sie in ihrer jetzigen Verfassung fast jeden genommen hätte und besser einfach zu Hause geblieben wäre. Schnell schüttelte sie den Kopf, auf keinen Fall wollte sie weiter darüber nachdenken.
Die Hand ihres unbekannten Begleiters schob sich unter ihren Ellenbogen und gab ihr Halt auf der Treppe. Galant war er, dass musste man ihm lassen. Sie betraten das Theater und sie wollte sich gerade von ihm verabschieden, als ihr neuer Herr schon auf sie zu kam. Grob stieß er sie zur Seite.
„Da bist du ja, du Schlampe, wird auch Zeit”, sagte er und lachte ihrem Begleiter zu. „Man muss den Weibern nur zeigen, wo ihr Platz ist”, sagte er und knuffte den anderen in die Seite.
Erstaunt sah sie, wie sich die Augen durch die Schlitze der Maske verengten. Dass sie so offensichtlich einen anderen ansah ärgerte Martin. Er holte aus und schlug ihr hart ins Gesicht, ehe jemand etwas sagen oder tun konnte. 
„Hat dir eigentlich jemand erlaubt den Blick zu heben?” fragte er laut.
Der andere Mann stellte sich jetzt so, dass er zwischen ihr und Martin stand. Sie kämpfte mit den Tränen, darauf war sie nicht vorbereitet gewesen und das hatte sie nicht mal von ihm erwartet.
„Entschuldigung”, sagte der Mann und sah Martin einen Augenblick in die Augen. „Warum entschuldigen Sie sich?” fragte Martin dümmlich zurück und im nächsten Augenblick landete eine Faust krachend in seinem Gesicht.
„Dafür”, der knappe Kommentar, ließ sie fast lachen, aber sie hatte versprochen sich diesem Grobian zu unterwerfen. Und sie wollte ihr Versprechen halten. Schnell trat sie hinter dem Mann hervor und wollte zu Martin gehen. Doch eine Hand im schwarzen Handschuh hielt sie zurück.
„Nicht, er ist es nicht wert.” Der Griff wurde eisern und sie wurde durch eine Tür in den Ballsaal gezogen. In einer Ecke blieb er endlich stehen. Er stand jetzt groß und fast drohend vor ihr, verdeckte sie völlig. Langsam griff seine Hand an ihre Maske, die sie wieder aufgesetzt hatte.
„Bitte nicht”, bekam sie gerade noch heraus.
Sie hatte Angst und wusste nicht mehr was sie denken oder tun sollte. Martin, der auf einmal die Grenzen übertrat und dann dieser hier, den sie nicht mal kannte, der sie aber einfach mit sich schleppte. Gegen den sie sich auch nicht wehren konnte. Halbherzig versuchte sie ihn abzuwehren, aber er hielt ihre Hände fest.
„Bitte Kleines, lass mich sehen wie weh er dir getan hat”, sagte er sanft zu ihr.
Sie schüttelte den Kopf.
„Ich kenne sie nicht mal. Und wenn ich jetzt nicht zu ihm zurück gehe wird er richtig sauer, dann weiß ich nicht was mich noch erwartet.” Sie biss sich auf die Lippen. „Wenn er mich schon so schlägt, wenn er gut gelaunt ist”, fügte sie leise hinzu.
„Du wirst nicht zu ihm gehen, jedenfalls nicht so lange ich hier bin. Und er wird dir auch nicht zu nahe kommen. Vertrau mir.”
Seine Stimme klang so zärtlich, so einfühlsam und sie versuchte verzweifelt sich gegen diesen Zauber zu wehren. Einmal hatte sie jemanden gekannt, der ihr all das gegeben hatte, was diese Stimme ihr versprach, aber es hatte nicht sein können. Sie waren beide noch jung, kannten ihre Neigungen noch nicht wirklich und er war weg gezogen. Sie hatten sich aus den Augen verloren, aber nie hatte sie ihn vergessen. Wie aus einem Traum kam sie in die Gegenwart zurück und bemerkte, dass ihr Gegenüber auf eine Antwort wartete.
„Entschuldigung, ich fürchte ich habe Ihnen nicht zugehört”, sagte sie leise.
„Ich habe dich gebeten mir für diesen Abend zu gehören, mir einfach zu vertrauen und dann morgen früh zu entscheiden, ob du zu ihm willst oder bei mir bleiben möchtest,” sagte er, als sei es das Natürlichste der Welt.
„Dir gehören? Ich kenne dich ja nicht mal.” Die Panik in ihrer Stimme war deutlich zu hören.
„Jens wird dich heute Nacht covern.”
Abwartend stand er vor ihr. Sie schloss die Augen und sprang dann ins kalte Wasser. „Gut, ich willige ein, aber ich werde jetzt erst mit Jens telefonieren und fragen ob er mich wirklich covert”, wandte sie ein.
Er stimmte ihr zu und wartete bis sie ihr Handy aus dem kleinen Handtäschchen gezogen hatte. Das Gespräch lief genau wie er es erwartete und er grinste breit. Als sie aufgelegt hatte, zog er ihr die Maske vom Gesicht und sah sich die rote Schwellung an. „Komm mit, wir werden es kühlen müssen”, sagte er, legte ihr vorsichtig die Maske wieder an und führte sie zum Eingang der Küche im hinteren Teil des Theaters.
Hier bat er um etwas Eis, dass er in ein Handtuch hüllte und ihr dann auf die Schwellung legte. Sie atmete tief aus. Es tat weh und der Spaß an dem Abend war ihr fast schon vergangen. Doch dann spürte sie wieder seinen Arm um ihre Schultern, er zog sie an sich.
„Du wirst dich heute Abend keinen Meter von meiner Seite rühren, es sei denn ich erlaube es dir.”
Sie nickte leicht, um ihm zu verstehen zu geben, dass sie ihm gehorchen würde. Langsam brachte er sie zum Ballsaal zurück. Sie kamen im Saal an und er zog sie auf die Tanzfläche, um gleich darauf mit ihr Walzer zu tanzen. Sie lachte, es gefiel ihr. Schon so lange hatte sie nicht mehr tanzen können. Sie schwebte in seinen Armen förmlich dahin. Er war ein wundervoller Tänzer. Langsam klang die Musik aus und er brachte sie zum hinteren Ausgang, der in einem Park mündete.
Überall waren Lampions und die Hauptwege waren sehr bevölkert. Er führte sie einige verschlungene Pfade und schon bald hörte sie die Musik nur noch von weitem. Es war kühl und sie hatte eine Gänsehaut, nicht nur von der Kälte. Er stand dicht vor ihr, sagte aber nichts, sah sie nur lange und eindringlich an. Dann zog er sie an seine Brust, drehte sie langsam um und legte beide Arme um sie. So an ihn geschmiegt genoss sie es ihn einfach nur zu spüren. Sie genoss es, das er da war und fühlte sich auf eine seltsame Art geborgen und beschützt. Dann nahm er ihre rechte Hand und fuhr damit über ihren Körper, streichelte sie mit ihrer eigenen Hand, aber sie spürte auch deutlich seine Fingerspitzen. Eine Welle der Erregung lief durch ihren Körper und sie merkte, wie sie nass wurde.  Langsam strich er über ihre Brustwarzen, die sich sofort steil aufrichteten und gegen den Satin der Korsage drückten. Sie schloss die Augen und er bog ihr mit der freien Hand den Kopf zurück. Dann küsste er sie zärtlich und sie merkte, wie ihr der Saft langsam die Beine runter lief.
„Komm wir gehen zurück”, sagte er leise und sie öffnete etwas enttäuscht die Augen. Er konnte den Glanz sehen und auch wie sie versuchte die Enttäuschung zu verbergen. Er lächelte, denn es gefiel ihm was er sah. Langsam brachte er sie zum Theater zurück.