Leseprobe “Im Bann des keltischen Tigers - Tíogaír hÉireann”

 

Nach und nach verwandelten sie sich in die verschiedensten Tiere, selbst ein weißer Tiger war dabei, der sich jetzt majestätisch streckte.

Wieder erklang ein Befehl, zumindest entnahm Sophie das aus dem Tonfall und die großen und gefährlichen Tiere gingen aufeinander los. Es war ein Kampf jeder gegen jeden und sie setzten alles ein, was ihnen zur Verfügung stand.

Ein Luchs und ein Gepard waren die Ersten, die aufgaben und sich zu den Fackelträgern zurück zogen. Es war wohl eine Regel, dass jeder, der sich in dem äußeren Kreis befand, nicht mehr angegriffen werden durfte. Allerdings wurde er damit vom Kampf ausgeschlossen.

Erst jetzt entdeckte sie eine Person, die in einen Umhang gehüllt war und diese Befehle gegeben hatte. Sie stand wie eine Statue und rührte sich nicht.

Es fauchte, brüllte und schrie, während der Kampf tobte. Die Geräusche trieben Sophie in den Wahnsinn und sie hielt sich verzweifelt die Ohren zu. Dabei beobachtete sie fasziniert den Kampf. Diese Wesen hatten es darauf angelegt, sich gegenseitig zu töten oder die anderen zum Aufgeben zu zwingen. Noch waren der Tiger, ein Bär und zwei Wölfe im Spiel, auch wenn einer der Wölfe schon stark blutete. Es sah sogar so aus, als ob die Wölfe zusammen kämpften, denn als einer der beiden den Tiger attackierte, sprang der andere ihn von hinten an. Er riss ihm das Fell am Rücken auf und ein langer, blutiger Streifen wurde sichtbar. Aber den Tiger schien das gar nicht zu stören, er schüttelte sich so kraftvoll, dass der Gegner in hohem Bogen von ihm geschleudert wurde. Der Wolf blieb bewusstlos im äußeren Kreis liegen. Sofort ging der Tiger auf den zweiten Wolf los und auch diesen hatte er in kurzer Zeit überwältigt. Er verließ mit eingezogener Rute den Kampfplatz, als der Bär sich auf den Tiger stürzte.

Fasziniert aber auch voller Angst sah Sophie diesem grausamen Schauspiel zu und musste einen Schrei unterdrücken, als der Bär den Tiger gegen die Wand schleuderte. Allerdings prallte der Tiger nicht wie erwartet gegen die Wand, sondern stieß sich daran ab und rammte dem Bären seinen mächtigen Schädel in den Leib. Der Bär ging zu Boden und gab auf.

Schnell presste Sophie sich die Hand vor den Mund, doch ein leises Seufzen der Erleichterung entschlüpfte ihr. Dieser Kampf war so brutal gewesen, dass sie am liebsten sofort weggelaufen wäre. Sie war völlig entgeistert und wusste nicht, ob sie glauben sollte, was sie dort sah.

Im nächsten Moment wandte sich die gesamte Aufmerksamkeit ihr zu. Einer der Fackelträger kam mit der Fackel in der Hand auf sie zu. Ihm folgten die Gestaltwandler.

Jetzt bekam es Sophie mit der Angst zu tun, egal ob sie das träumte oder nicht, die Situation war furchterregend. Wenn sie nicht schon völlig zusammen gekauert in dieser Ecke gesessen hätte, wäre sie dorthin zurückgewichen. Ganz vorsichtig streckte sie eine Hand hinter ihren Rücken und versuchte das Gitter irgendwie zu öffnen. Alles war besser, als hier vor diesen unheimlichen Gestalten zu sitzen. 

Der alte Mann im grauen Umhang bahnte sich einen Weg zu ihr und sah auf sie runter.

Hoffnungsvoll hob Sophie den Blick, aber sofort erkannte sie, dass sie von diesem Mann keine Hilfe erwarten konnte. Seine grauen Augen waren wässrig vom Alter und blickten sie mit einer unglaublichen Brutalität an.

Er packte sie am Arm und zwang sie aufzustehen. So viel Kraft hätte Sophie ihm gar nicht zugetraut, dennoch gehorchte sie. Furchtsam sah sie in die Runde, neben den Gestaltwandlern sah sie noch gut fünf der Fackelträger in dem Raum stehen. Und entsetzt bemerkte sie, dass sie mitten auf einem Grabstein stand, der auf dem Boden lag.

„Ich wollte nicht stören, und wenn es ihnen nichts ausmacht, gehe ich jetzt“, brachte sie heiser hervor.

Schnell versuchte sie sich zum Ausgang durchdrücken, aber der Alte hielt sie so fest, dass man seine Fingerabdrücke auf ihrem Oberarm sehen konnte.

„Du gehst nirgendwo mehr hin“, bemerkte er und seine Stimme klang, als ob er sich überwinden musste, ihre Sprache zu sprechen.

Allein diese Stimme machte ihr Angst, aber das, was er sagte, war noch viel schlimmer. Sie konnten sie doch nicht hier behalten. Entsetzt sah Sophie ihn an.

„Bitte“, brachte sie leise hervor.

Der Alte lachte nur und zeigte dabei seine Zahnstummel.

„Ihr kennt das Gesetz, tötet sie“, rief er und sah sie gleichgültig an.

Er wiederholte den Befehl in dieser unbekannten Sprache und Sophie riss zitternd die Augen auf.

Sie ließ sich zu seinen Füßen in den Dreck fallen, senkte den Blick und zupfte an seinem Umhang.

„Gnade“, flüsterte sie.

Angst schnürte ihr die Kehle zu und Tränen traten in ihre grünen Augen. Wieso war sie auch so unglaublich arrogant und dumm gewesen.

Ihre Bitte blieb ungehört und der Alte lachte nur auf. Er hob den Blick und sah die Gestaltwandler vor ihm auffordernd an.

Der Wolf und der Bär setzten sich gleichzeitig in Bewegung, doch ehe sie Sophie erreichten, stand der weiße Tiger vor ihr. Es war, als ob er sie beschützen wollte. Wütend fauchte er die beiden an, denen immer noch Blut aus den Wunden rann.

„Du kennst das Gesetz, Connor“, rief der Alte und sah hasserfüllt auf Sophie.

Jetzt brüllte der Tiger laut auf und die anderen Gestaltwandler zogen sich ein paar Schritte zurück.

Sophie hatte sich vor Schreck die Ohren zugehalten und verbarg ihr Gesicht in den Armen. Hier konnte sie nicht lebend herauskommen. Zitternd wartete sie auf die schrecklichen Schmerzen, die eine Tigerkralle ihr zufügen würde. Doch nichts geschah, vorsichtig sah sie auf, während sie verzweifelt versuchte, das Zittern zu unterdrücken, was jetzt ihren ganzen Körper schüttelte.

Vor ihren Augen verwandelte sich der Tiger wieder in einen Mann, der sich schützend vor sie stellte.

„Ich beanspruche sie für mich und werde unsere Gemeinschaft schützen. Sie wird an meiner Seite bleiben oder sterben“, rief er.

Grimmig sah er in die Runde und einer nach dem anderen senkte den Kopf, um seine Zustimmung zu zeigen. Die anderen Gestaltwandler hatten sich wieder zurückverwandelt. Sie alle erkannten ihn als neuen Führer an und somit war sein Wort Gesetz.

„Wie du willst Connor, aber du weißt, wenn sie entkommt oder auch nur einem Menschen etwas über uns erzählt, wirst du zusammen mit ihr sterben“, rief der Alte.

Connor senkte den Kopf ein kleines bisschen, um seine Zustimmung zu signalisieren. Danach bellte er einen Befehl in der fremden Sprache und es kam Bewegung in die Männer, so schnell sie gekommen waren, verschwanden sie jetzt wieder. Jemand brachte Connor seinen Umhang und eine Fackel wurde in die Wand gesteckt, dann war er mit Sophie allein.

Zitternd und völlig verängstigt saß sie zusammen gekauert in der Ecke, dabei traute sie sich nicht mal mehr, aufzublicken.

„Steh auf und sieh mich an“, befahl er ruhig.

Er hielt ihr eine Hand hin, die sie zögernd nahm. Langsam zog er sie auf die Füße und merkte genau, wie sehr sie zitterte.

„Was hast du dir nur dabei gedacht, heute hier herzukommen?“, murmelte er, aber es war klar, dass er keine Antwort erwartete.

„Bitte lassen sie mich doch einfach gehen. Ich erzähle auch bestimmt niemandem was“, flehte Sophie, der die Tränen übers Gesicht rannen.

Traurig schüttelte Connor den Kopf.

„Es tut mir leid, selbst wenn ich wollte, könnte ich dich nicht gehen lassen. Aber ich verspreche dir, dass dir keiner etwas tut“, antwortete er ihr mit ruhiger Stimme.

Einen ganz kurzen Moment lang musterte sie ihn und unter anderen Umständen hätte sie ihn bestimmt attraktiv gefunden.

Connor war fast zwei Meter groß, durchtrainiert, sehnig und seine Haut war braun gebrannt, jedenfalls soweit sie das bei dem Licht der Fackel sehen konnte. Seine Haarfarbe konnte sie nur raten, da er eine Glatze hatte und auch im Gesicht glatt rasiert war.

Seine braunen Augen blickten müde und etwas traurig.

„Komm“, befahl er schlicht und zog sie mit sich.

Erst jetzt bemerkte Sophie, dass er ihre Hand festhielt. Aber sie war viel zu verängstigt, um sich zu wehren. Was hätte sie auch gegen einen Kerl, wie Connor tun könnten? Und schreien würde hier in dieser Einsamkeit nichts nützen.

Immer noch zitternd und voller Angst ließ sie sich von ihm mitziehen, bis sie die Ruine verließen. Plötzlich fiel die Starre von ihr ab und sie stemmte sich gegen ihn.

„Lass mich los“, rief sie.

Auf keinen Fall würde sie einfach so mitgehen und sich einsperren oder entführen lassen. Sie musste entkommen, irgendwie.

Connor knurrte leise und sah sie warnend an, was sie auch nur sehen konnte, weil seine Pupillen jetzt gelb glommen, wie die Augen einer Raubkatze.

„Lass den Mist und komm jetzt. Ich bin müde“, befahl er ihr.

Sophie schüttelte nur eigensinnig den Kopf.

„Friss mich, wenn du unbedingt willst, aber ich lasse mich nicht einfach entführen“, schrie sie ihn an.

Ihre Stimme überschlug sich vor Angst, aber sie hatte ihre Tränen im Griff. Mutiger als sie sich fühlte, sah sie ihn an.

Connor lachte nur laut auf.

„Wieso um alles in der Welt sollte ich dich fressen?“, fragte er belustigt.

Verdutzt über seine Reaktion ließ sie einen Moment in ihrer Gegenwehr nach und er nutzte sofort seinen Vorteil. Er schlang seine Arme um sie und hob sie hoch.

„Sei einfach still. Alles andere klären wir später“, bemerkte er und verließ mit ihr die Ruine.

Völlig verängstigt und todmüde legte Sophie ihre Arme um seinen Hals und ihren Kopf an seine Brust.

Connor spürte, wie sie sich für diesen Augenblick ergab, und trug sie sicher zwischen den Gräbern hindurch bis an das Ufer des Shannon. Er wusste ganz genau, dass dieser Kampf noch nicht ausgestanden war, nur jetzt fehlte ihr die Kraft. Die Mauer, die Clonmacnoise einzäunte, war für ihn kein Hindernis, er sprang ohne Anstrengung mit seiner Beute in den Armen darüber.

Sophie hob den Blick, sah das Wasser des Shannons und fürchtete einen Moment lang, er würde sie ertränken wollen, aber dann hätte er sie ja gar nicht zu retten brauchen. Zittrig legte sie ihren Kopf wieder an seine breite Brust.

Sie kam mit dem, was passiert war und was sie gesehen hatte nicht klar. Ihre ganze Welt war aus den Angeln gehoben und sie wünschte sich, niemals hergekommen zu sein. Auch wenn sie zugeben musste, dass sie sich in den Armen von Connor seltsamerweise geborgen fühlte. Hier fühlte sie sich sicher und jetzt schmiegte sie sich, wie eine kleine Katze in seine Arme. Vielleicht war sie einfach nur zu erschöpft, um Angst zu empfinden.

Connor ging ein Stück am Shannon entlang, bis er an die Anlegestelle kam, wo er sie auf ihre eigenen Beine stellte und ihr tief in die Augen sah.

„Mach keine Dummheiten, hörst du?“, befahl er ihr leise.

Verschüchtert nickte sie, aber dann kam ihr der Gedanke, dass sie gleich vielleicht endlich die Möglichkeit zur Flucht haben würde.

Der Mann vor ihr machte einen großen Schritt an Bord eines mittleren Hausbootes und hielt ihr die Hand hin.

Sophie dachte gar nicht daran, ihm zu folgen. Sie rannte, so schnell sie konnte, über den Steg. Flucht, war ihr einziger Gedanke, und wenn sie über den Fluss schwimmen musste, würde sie es tun. Hauptsache sie kam endlich aus diesem Albtraum heraus.

Ehe sie den Anleger hinter sich hatte, wurde sie auch schon gepackt und hochgehoben.

„Ich hab gesagt, du sollst keine Dummheiten machen“, knurrte Connor.

Seine Augen waren immer noch katzenartig und zogen sich jetzt zornig zusammen. Sein Griff war unerbittlich und er trug sie zu dem Boot zurück. Hier stellte er sie wieder auf die Beine.

„Nach dir“, sagte er auffordernd, aber Sophie schüttelte nur den Kopf.

Angst schnürte ihr die Kehle zu, doch aufgeben kam nicht in Frage. Schwer schluckte sie, um ihm eine passende Antwort zu geben, als er ihr erneut tief in die Augen sah.

„Du bist müde und kannst kaum noch stehen, es bringt nichts, wenn du dich widersetzt. Im Moment kannst du nirgendwohin, die anderen würden dich sofort töten“, erinnerte er sie sanft.

In dem Punkt hatte er recht, allerdings wer sagte ihr denn, dass diese anderen überhaupt in der Nähe waren. Vielleicht hatte sie ja doch eine Chance zu entkommen und diesen ganzen Wahnsinn zu vergessen.

„Lass mich gehen“, brachte sie hervor.

Eigentlich sollte es ein Befehl werden, nur klang ihre Stimme so kläglich und dabei zitterte sie auch noch, dass es eher ein Flehen wurde.

„Das geht nicht“, blockte er hart ab, dann hob er sie erneut auf seine Arme und machte einen kleinen Satz auf das Boot.

Schnell trug er sie in den Innenraum und setzte sie dort auf eine Bank. Wieder sah er sie so eindringlich an, als wolle er in ihr lesen. Trotzig erwiderte Sophie den Blick, doch er grinste nur.

„Leg dich hin und versuch zu schlafen. Morgen können wir reden“, befahl er ihr sanft.

Seine Stimme klang jetzt wie ein leises Schnurren, ein wenig heiser, aber mit einem sehr erotischen Timbre. Zu gerne hätte sie ihm gehorcht, nur konnte sie ihre Freiheit und ihr Leben doch nicht so einfach aufgeben. Außerdem wusste sie nichts über diesen Mann oder sollte sie sagen über dieses Tier. In ihrem Kopf drehten sich die Gedanken und sie spürte, wie sie lachen musste. Gleichzeitig kamen ihr die Tränen, die sie energisch wegwischte.

Connor stand vor ihr und wartete darauf, dass sie seinem Befehl gehorchte. Als sie immer noch mit dem hysterischen Anfall kämpfte, hob er sie auf seine Arme und ging mit ihr zu einer großen Koje. Hier legte er sie sanft auf die Decke, mit einer Hand hielt er sie fest, während sie sich gegen ihn wehrte und gleichzeitig versuchte, nicht wirklich hysterisch zu werden. Einen Moment lang überlegte Connor, ob er sie mit einer Ohrfeige wieder zur Besinnung bringen könnte, doch dann beruhigte sie sich von ganz alleine. In ihren Augen las er, wie in einem Buch und diese Augen sagten ihm, dass sie einfach nicht auf ihn hören wollte oder konnte.

„Bleib liegen, du kannst mir nicht entkommen“, warnte er sie noch einmal.

Er drehte sich um und ließ den Umhang fallen und Sophie sah zum ersten Mal die lange, blutende Wunde auf seinem Rücken. Sie erinnerte sich, wie die beiden Wölfe ihn angegangen waren und ihm diese Wunde zugefügt hatten.

Fast hätte sie Mitleid bekommen, aber auch dieses Gefühl bekämpfte sie erfolgreich, dieses Wesen ging sie nichts an.

Connor reckte sich ein wenig, dann ging er zu einer Tür und verschwand. Sophie hatte einen kurzen Blick in das Zimmer hinter der Tür werfen können. Es war das Badezimmer und sie konnte sich denken, dass er sich das Blut abwaschen wollte. Allerdings könnte er sich nie selbst verarzten, egal wie gelenkig er war.

Es war einfach nicht Sophies Art jemanden, der Hilfe brauchte, links liegen zu lassen. Sie nahm ihre ganze Kraft und ihren ganzen Mut zusammen, stand auf und öffnete die Badezimmertür.

Sofort fuhr Connor herum und starrte sie angriffsbereit an.

Besänftigend hob sie die Hände.

„Du kannst dich nicht selbst verarzten“, brachte sie leise hervor und schluckte.

Ehe er etwas sagen konnte, drückte sie sich in den kleinen Raum, nahm das nasse Handtuch, mit dem er versucht hatte, die Wunde zu erreichen und wrang es aus. Dann tupfte sie ihm vorsichtig das Blut vom Rücken.

„Hast du ein Desinfizierungsmittel hier?“, fragte sie sachlich.

Verwundert, aber auch positiv überrascht, nickte Connor und deutete auf den Schrank neben ihr.

„Es ist zu eng hier drin und zu dunkel. Geh raus und leg dich aufs Bett“, befahl sie jetzt und gab ihm einen kleinen Schubs in Richtung Tür.

Als er auf der Türschwelle stand, drückte sie auf den Lichtschalter und öffnete den Schrank. Sie hoffte, dass die Wunde nicht genäht werden musste, so etwas hatte sie noch nie getan. Aber reinigen und mit einer Salbe versorgen konnte sie den langen Riss schon, falls sie eine geeignete Salbe hier finden würde.

Einen Moment lang kramte sie in dem Schrank herum, dann hatte sie das Desinfizierungsmittel und auch eine Wundsalbe gefunden. Schnell drehte sie sich um und prallte gegen eine breite Brust.

Etwas benommen schüttelte sie sich und hob den Blick.

„Hab ich dir nicht gesagt, dass es hier zu eng ist?“, fragte sie und nickte mit dem Kopf zum Bett rüber.

Connor zog eine Augenbraue hoch, gehorchte allerdings, als er die Utensilien in ihrer Hand sah. Unsicherheit stand in seinen Augen, die immer noch die gelbe Färbung hatten, jetzt aber mehr wie die Augen eines Menschen aussahen.

„Ich weiß, was ich tue, ich bin Heilpraktikerin“, versuchte Sophie ihn zu beruhigen.

Doch dann fiel ihr ein, dass er ja kein normaler Mann war und in der Tiermedizin kannte sie sich überhaupt nicht aus.

Behutsam wusch sie die Verletzung aus und sprühte etwas von dem Desinfektionsmittel darauf. Connor stieß schmerzhaft die Luft aus und spannte sich an.

„Es tut mir leid, aber ich möchte sichergehen, dass es sich nicht entzündet“, entschuldigte Sophie sich, als sie vorsichtig die Salbe über dem Riss verteilte.

Sie legte einen Verbandmull auf die Wunde und wollte gerade einen Verband anlegen, als Connor sich umdrehte und ihre Hand festhielt.

„Danke, das ist nicht nötig. Es wird morgen schon nichts mehr, außer einer Narbe zu sehen sein“, sagte er ruhig.

Sophie zuckte mit den Schultern und wollte sich abwenden, doch Connor hielt sie fest. Mit einem Ruck zog er sie zu sich ins Bett. Überrascht über diese Attacke fiel sie auf ihn drauf. Peinlich berührt wollte sie sich sofort wieder aufrichten, aber Connor knurrte leise und zog sie fester an sich. Er drehte sich mit ihr im Arm so, dass sie bequem liegen konnte. Gleichzeitig versperrte er ihr den Weg nach draußen, wenn sie jetzt noch flüchten wollte, musste sie über ihn drüberklettern.

„Was soll das?“, fragte sie und versuchte ihre Stimme unter Kontrolle halten.

„Ich sorge dafür, dass du nicht wegläufst“, bemerkte er lächelnd.

Langsam glitt seine Hand über ihr Haar und sie zuckte erschrocken zurück. Connor lachte leise, während seine Hand wieder sacht über ihr Haar strich.

„Ganz ruhig, ich tue dir nichts“, flüsterte er ihr zu.

Sophie konnte ihm das nicht glauben und so blieb sie stocksteif neben ihm liegen. Auf keinen Fall wollte sie ihn in diesem Moment reizen, wer wusste schon, auf was für Ideen er dann kam.

„Möchtest du dir vielleicht die Jacke, die Hose oder die Schuhe ausziehen?“, fragte er leise.

Vorsichtig verneinte sie.

„Nein danke, ich bleibe lieber so“, flüsterte sie.

Wieder lachte er und schüttelte den Kopf.

„Es wird für dich sehr unbequem werden und ich verspreche dir, ich werde dich nicht anrühren, wenn du es nicht willst.“

Jetzt kam Sophie sich etwas kindisch vor, denn so würde sie in der Tat nicht schlafen können. Konnte sie vielleicht doch noch fliehen? Die Müdigkeit ließ sich nicht länger verdrängen und ihr wurde bewusst, dass sie dringend Schlaf brauchte.

Langsam kletterte sie über ihn hinweg, immer darauf bedacht, dass sie seine Wunde nicht berührte. Wachsam blickte er ihr nach, als sie im Badezimmer verschwand und ein zufriedenes Lächeln umspielte seine Lippen.

Kurz darauf kam sie wieder und trug jetzt nur noch einen Slip und ein T-Shirt. Suchend sah sie sich um und wollte schon auf die Sitzecke zusteuern, als Connor leise nach ihr rief.

„Dein Platz ist an meiner Seite, wie ich es Angus und allen anderen versprochen habe“, bestimmte er.

Der Vollmond schien in den Innenraum des Bootes und Sophie konnte sehen, wie er auf den Platz neben sich deutete. Einen langen Augenblick kämpfte sie mit sich, dann kletterte sie wieder über ihn hinweg und legte sich ganz dicht an die Bordwand.

Sofort schlang sich sein Arm um sie und beruhigend strich er ihr über den Rücken.

„Schlaf jetzt, es wird dir nichts passieren“, raunte er ihr ins Ohr.

Sophie fielen die Augen zu, es war alles zu viel für sie und sie wollte wirklich nur noch schlafen. Connors Hand streichelte weiter sanft über ihren Rücken und seltsamerweise beruhigte diese Berührung sie so, dass sie innerhalb der nächsten zwei Minuten eingeschlafen war.