Wild Thing - Eigentum des Wolfs

Ins Exil verbannt

 

Die Zimmertür flog auf und Cats Mutter stand auf der Schwelle.

„Caitlin, mach endlich die Musik leiser“, schrie sie in den Raum, ehe es ihr die Sprache verschlug.

Caitlin, die sich von ihren Freunden Cat nennen ließ, verdrehte genervt die Augen und erhob sich langsam vom Bett. Ohne die aufgebrachte Frau weiter zu beachten, drehte sie die Anlage etwas runter und stemmte die Arme in die Seiten.

„Was bitte macht der Gnom in deinem Zimmer?“, wollte ihre Mutter entsetzt wissen.

„Was schon? Er räumt auf, wie ich es ihm befohlen habe“, antwortete sie gelangweilt.

„Du lässt dieses unschuldige Wesen sofort gehen, hast du gehört?“, befahl Elvira O´Kelly und atmete tief aus.

Irgendwie hatte sie das Gefühl, das ihr alles über den Kopf wuchs. Seit ihr Mann vor einem Jahr gestorben war, tat Caitlin, was sie wollte, verstieß ständig gegen Regeln und handelte sich mehr Ärger ein, als ihre Familie ausbügeln konnte.

„Erst macht er seine Arbeit fertig, sonst werde ich ihn töten, sobald ich mich in einen Falken verwandelt habe“, widersprach die junge Frau fest.

Ehe Elvira in der Lage war zu antworten, klingelte es an der Haustür und sie sah noch einmal warnend auf ihr Kind.

Schnell eilte sie zur Tür, wobei sie keine Ahnung hatte, wer sie um diese Uhrzeit besuchen wollte.

„Guten Tag Miss O´Kelly, wir müssen uns leider mit Ihnen über ihre Tochter unterhalten“, begrüßte sie ein Typ im Anzug und hielt ihr einen Ausweis unter die Nase.

Seufzend bat sie die beiden Männer herein, die von der Regierung der magischen Welt geschickt worden waren. Die Zauberwesen lebten unerkannt unter den Menschen, besaßen aber ihre eigenen Gesetze und Regeln und ebenso Leute, die dafür sorgten, dass niemand diese Vorgaben übertrat.

Mit klopfendem Herzen führte Elvira die zwei Wächter in die Küche, bot ihnen einen Kaffee an, den sie dankend ablehnten.

„Wir machen es kurz, Caitlin hat bereits zum fünften Mal gegen die Geheimhaltung verstoßen. Immer wieder zeigt sie den Normalen ihre Fähigkeiten, schüchtert sie ein und verschafft sich damit Vorteile. Wir können langsam nicht mehr über diese Vergehen hinwegsehen“, erklärte der Beamte, dem es offensichtlich sehr unangenehm war, das Gespräch zu führen.

„Ich weiß, aber seit ihr Vater verstorben ist, komme ich kaum noch an sie heran“, bemerkte Elvira leise.

„Wir sind hier, um sie abzuholen. Es gibt ein Internat in Pennsylvania, dass unsere Leute genau für solche Fälle eröffnet haben“, fiel der zweite Mann ihr jetzt ins Wort.

Ungläubig und entsetzt schüttelte sie den Kopf, keinesfalls ließ sie zu, dass ihre Caitlin nach Amerika in irgendein Erziehungsheim geschickt würde.

„Es tut uns leid, aber wir sehen kaum eine Alternative mehr, zumal sie keine hundert Jahre alt ist. Noch können wir eingreifen, später bleibt uns nur sie einzusperren“, erklärte der erste Beamte wieder.

„Bitte, es muss einen anderen Weg geben. Ich möchte meine Caitlin nicht komplett verlieren“, flehte Elvira mit Tränen in den Augen.

Der Tod ihres Mannes war schon schlimm genug und sie wusste oft nicht, wie sie alles bewerkstelligen sollte. Egal wie Cat sich gerade benahm, die Vorstellung, dass man ihr Kind gewaltsam von ihr trennte, war zu viel für sie.

„Es gibt einen Ausweg, wenn Sie jemanden haben, der sich um sie kümmern kann. Offensichtlich sind Sie kaum in der Lage es alleine zu schaffen“, lenkte der erste Typ jetzt freundlich ein.

Elvira überlegte einen Moment, es gab nur eine Person, die ihr einfiel. In dem Fall müsste sie Cat zwar ebenso wegschicken, aber sie blieb in Irland und es war auch nicht so weit weg. Außerdem wusste sie, dass ihr Bruder Steward alles für ihre Tochter tun würde.

„Ich habe jemanden. Ist es in Ordnung, wenn ich Caitlin zu ihrem Onkel schicke? Er lebt in Ballygannon und heißt Steward McFlann“, hakte sie hoffnungsvoll nach.

„Der McFlann? Der Boss über die Söldner von Ballygannon?“, erkundigte sich der zweite Beamte und sah sie voll Ehrfurcht an.

Schnell bestätigte sie es, denn das war auf jeden Fall eine bessere Lösung, als ihr Kind in das Erziehungsheim zu stecken.

„Wenn er die Aufsicht übernimmt, können wir dem nur zustimmen. Wir werden uns in einer Woche erkundigen, ob Sie diese Absprache eingehalten haben Miss O´Kelly“, stimmte der Ältere jetzt zu.

Elvira atmete auf, dann nickte sie lächelnd und begleitete die Regierungsbeamten zur Tür, anschließend ging sie zu ihrer Tochter.

Wütend stieß sie die Tür auf und baute sich vor der jungen Frau auf.

„Ich weiß, dass dir dein Vater fehlt, aber dein Benehmen ist unmöglich. Gerade eben waren zwei Männer von der Regierung hier. Sie wollten dich mitnehmen, um dich in ein Erziehungsheim in Amerika zu bringen“, herrschte sie Cat an, nachdem sie den Stecker der Musikanlage aus der Steckdose gezogen hatte.

Wenigstens sah sie den Gnom nicht mehr und sie ging davon aus, dass er schnellstens das Weite gesucht hatte. Gott sei Dank, war diese Missetat unentdeckt geblieben.

Erschrocken sah Caitlin ihre Mutter an und schüttelte langsam den Kopf.

„Das glaube ich dir nicht. Sie können mich wohl kaum in ein Heim stecken“, flüsterte sie.

Mit so einer Reaktion hatte Cat keinesfalls gerechnet. Natürlich war ihr bewusst, dass sie in der letzten Zeit über das Ziel hinaus geschossen war. Oft genug verstieß sie gegen die Regeln, aber in ihrem Inneren tobte eine seltsame Nervosität, für die sie keine Erklärung fand. Dazu kam, dass sie ihren Vater unendlich vermisste und sich selbst verabscheute.

„Ich konnte es verhindern, in dem ich versprochen habe, dass ich dich in die Obhut von Steward gebe“, erklärte die ältere Frau leise und ließ sich auf das Bett sinken.

Fassungslos starrte ihre Tochter sie an.

„Du schickst mich weg?“, flüsterte sie.

Elvira hob den Blick und sah ihrem Kind in die Augen.

„Nein, ich werde gezwungen dich wegzuschicken, weil du dich einfach nicht an die Regeln hältst. Unsere Regierung bezweifelt, dass ich in der Lage bin, dich unter Kontrolle zu bekommen und darin kann ich nur zustimmen“, stellte sie die Aussage richtig.

„Ich schreibe Steward und du fängst an, zu packen. Wir haben eine Woche, ehe du in Ballygannon sein musst“, damit stand sie auf und verließ den Raum.

Tief in ihrem Inneren wusste Elvira, dass es besser für Caitlin war, wenn sie zu jemandem kam, der die Macht hatte sie an dem ganzen Unsinn zu hindern. Seufzend dachte sie an ihren Bruder, der alles andere als begeistert sein würde, aber er war immer da, sobald sie ihn brauchte.

Schnell schrieb sie eine Nachricht, in dem sie ihm die Situation erklärte, und bat ihre Tochter ihn zur Post zu bringen. Dieses Mal gehorchte sie, dabei verzichtete sie auf einen Widerspruch.

Cat verstand die Welt nicht mehr, in ihren Augen handelte es sich doch nur harmlose Späße. Niemand kam zu schaden, selbst den Gnom hatte sie am Ende für seine Arbeit bezahlt.

Völlig in Gedanken, schob sie den Brief an Steward in die Hosentasche und rannte ohne bestimmtes Ziel die Straße entlang. In Athlone war sie aufgewachsen, hier kannte sie sich aus und sie wollte in ihrer Heimatstadt bleiben. Ballygannon bedeutete für sie das Exil, ein Straflager.

Auf der anderen Seite grauste es ihr davor, dass diese Kerle sie wirklich in eine Erziehungsanstalt in Amerika steckten, da blieb sie lieber bei ihrem Onkel.

 

~~°~~

 

Brian saß auf der Treppe und wartete darauf, dass Gerry erschien. Er brauchte dringend den Rat des Arztes und wollte verhindern, dass alle mitbekamen, wie er ihn um ein Gespräch bat.

Endlich kam der Luchs, Hand in Hand mit seinem Engel Lea. Die Gefährtin von Gerry war in der Tat ein Erdenengel und wurde nicht nur so bezeichnet, allerdings gab es niemanden, der sie nicht mochte. Als sie gezwungen wurde sich von dem Gestaltwandler zu trennen, litt das gesamte Hauptquartier mit den beiden und jeder wünschte sich, dass sie zurückkehrte.

„Hey Brian, wartest du auf uns?“, begrüßte sie ihn freundlich und schenkte ihm ihr besonderes Lächeln.

Sobald sie eine Person auf diese Weise ansah, wurde ihr Gegenüber in Frieden und Ruhe eingehüllt, was auch bei dem Wolf der Fall war.

Schnell nickte er und schluckte, es war für ihn nicht gerade einfach um Hilfe zu bitten. Immerhin war er fast der Jüngste unter den Söldnern in Ballygannon und bisher hatte er so getan, als ob er alles im Griff habe.

„Kann ich dich mal sprechen, Gerry“, bemerkte er verlegen.

Lea klopfte ihm auf die Schulter, zwinkerte ihm zu und ließ die beiden Männer alleine. Sie verstand viele Dinge, ohne dass man sie aussprechen musste.

„Um was geht es, Brian?“, wollte der Luchs aufmerksam wissen.

Der junge Wolf atmete tief durch und sah dem Arzt fest in die Augen.

„Ich muss mit dir reden, denn ich befürchte, dass irgendwas mit mir nicht stimmt, aber ich würde es ungern hier auf dem Flur tun“, brachte er hektisch hervor.

„Natürlich, lass uns frühstücken, danach stehe ich dir gerne zur Verfügung“, schlug Gerry vor und klopfte dem Freund auf die Schulter.

Er konnte sich schon denken, was ihm auf der Seele brannte, allerdings gab es da kein Heilmittel.

Gemeinsam liefen sie ins Esszimmer rüber, wo sie freundlich empfangen wurden. Hier im Hauptquartier ging es zu, wie in einer großen Familie, man stritt sich, verfluchte den anderen, aber wenn es hart auf hart kam, standen sie zueinander. Sie alle hatten die Ausbildung zu Elitesoldaten durchlaufen, nur mit verschiedenen Spezialausbildungen.

Brian gehörte zur Einheit, die David der Werwolf anführte und die besten Soldaten vereinte. Mittlerweile vervollständigten die Gefährtinnen von David, Logan und Gerry ihre Truppe. Wobei Emily der einzige Mensch unter ihnen war.

Sie schaffte es von Anfang an, die herkömmlichen Schlösser zu knacken und den Rest brachte er ihr bei. Dass ihr Boss sich ebenso in einen Wolf verwandeln konnte, führte bei ihm nur dazu, dass er ihn als Leitwolf anerkannte.

Emily hatte das Herz des Anführers im Sturm erobert und ihr Sohn Billy stand ihr darin nicht nach. David war ein hochintelligenter Werwolf mit einem fotografischen Gedächtnis.

Joleen unterstützte das Team im Moment nur sporadisch, da sie vor ein paar Wochen erst Zwillinge auf die Welt gebracht hatte. Sie war durch einen Biss zum Jaguar geworden und liebte Logan, der gezwungen war, sie zu wandeln.

Vor einem halben Jahr hatte Gerry seine Lea kennengelernt, die ebenfalls mit ihnen zusammenarbeitete, da sie die Gabe hatte zu trösten, zu heilen und Ruhe in jede Situation zu bringen.

Brian setzte sich auf seinen Platz und ließ den Blick erneut zu seinen Freunden schweifen, dabei versuchte er die Nervosität zu unterdrücken, die ihn schon seit einer kleinen Ewigkeit plagte. Endlich widmete er sich dem Essen und schob die Gedanken energisch von sich. Gleich würde er mit dem Arzt sprechen, der wirklich alles über Krankheiten und Medizin wusste, was ein Lebewesen wissen konnte.

Das Frühstück zog sich für ihn in die Länge und am liebsten hätte er Gerry einfach aus dem Raum gezerrt, aber das verkniff er sich besser. Der Luchs war mindestens ebenso kampferprobt wie er selbst, darüber hinaus wollte er vermeiden, dass der Rest der Mannschaft mitbekam, wie es um ihn stand.

Lea verabschiedete sich als Erste, da sie versprochen hatte im Krankenhaus auszuhelfen. Neben dem Hauptquartier in Ballygannon gab es noch ein Pflegeheim und ein Hospital, in dem jedes Wesen medizinische Hilfe fand, egal ob er normal war oder mit besonderen Fähigkeiten beschenkt.

Hier entfernten die Ärzte auch die Erinnerungen der Menschen an die Zauberwesen. Manchmal gingen diese Eingriffe schief, dann versorgten sie die Opfer in dem Heim.

Die Gestaltwandler stellten eine Art Polizei dar, die für Ordnung bei ihren eigenen Leuten sorgten. Sobald es Ärger gab, ein Mitglied der magischen Welt aus der Reihe tanzte, mussten die Soldaten los und die Situation klären. Leider wurden oft genug Menschen in Mitleidenschaft gezogen, sodass diese Operationen notwenig waren. Sie durften nicht riskieren, dass die menschliche Gesellschaft von den Fabelwesen aus den Mythen und Märchen erfuhr.

Gerry nickte Brian zu und stand ebenfalls auf. Er zog sich jetzt in sein Untersuchungszimmer zurück, da man ihn im Krankenhaus gerade kaum brauchte. Natürlich passte es dem Luchs nicht, dass seine Gefährtin trotzdem ihren Dienst absolvierte, denn sie war seine Assistentin. Außerdem mochte es kein Gestaltwandler, wenn sich die Liebste von ihm entfernte.

Nacheinander verließen auch die restlichen Männer und Frauen das Esszimmer, um sich ihren Aufgaben zu widmen. Endlich stand Brian auf und schlenderte zu dem Untersuchungszimmer, in dem der Freund auf ihn wartete.

Nachdem er angeklopft hatte und Gerry ihn hereinbat, ließ er sich auf den Stuhl vor dem großen Schreibtisch fallen.

Aufmerksam sah der Arzt ihn an, blieb aber ruhig, da er bemerkte, dass der junge Werwolf offensichtlich noch mit seinen Problemen kämpfte.

Brian holte tief Luft, dann straffte er die Schultern und erwiderte den Blick des Luchses.

„Ich werde wahnsinnig oder so was. Seit fast einem halben Jahr bin ich nervös, so eine innere Unruhe und nichts hilft“, stieß er hilflos hervor.

Verstehend nickte Gerry und lächelte ihm beruhigend zu.

„Ja, das weiß ich und ich kann es dir sogar erklären“, begann er vorsichtig.

Brian atmete auf, wenn der Arzt eine Ursache kannte, konnte es keinesfalls so schlimm sein.

„David kennt diese Nervosität genauso gut, wie Logan, und ich mache da auch keine Ausnahme. Meine Theorie ist, dass die Anspannung unsere Gefährtinnen ankündigen“, erklärte er dem Werwolf.

Brian lachte leise auf, davon hatte er gehört, aber er glaubte einfach nicht dran. Er war viel zu jung, um jetzt schon seiner Partnerin zu begegnen. Logan war 483, der Arzt und der Chef ihrer Einheit zählten sogar noch ein paar Jahre mehr.

„Das glaube ich kaum, außerdem spüre ich es so verdammt lange. Bei unserem Jaguar, dem Boss und dir ist die jeweilige Dame innerhalb von einer oder zwei Wochen aufgetaucht“, hielt er dagegen.

Nachdenklich nickte Gerry, doch sein Grinsen vertiefte sich.

„Ich habe mir erlaubt mit Lea drüber zu sprechen und ich würde es gerne in ihren Worten erklären“, begann er und seine Augen glitzerten bei dem Gedanken an seine Gefährtin.

„Sie glaubt, dass du kaum in der Lage warst, dein Herz zu öffnen, während ich um meinen Engel trauerte. Wir sind wie Brüder, und wenn einer leidet, leiden alle. Es sollte jetzt nicht mehr lange dauern, ehe du deine Zwillingsseele triffst“, berichtete er ihm lächelnd.

„Das kommt einwandfrei von Lea, du hättest eher gesagt, dass ich leiser heulen soll“, bemerkte der Wolf lachend.

Diese Erklärung leuchtete ihm ein, denn es war in der Tat so, dass das gesamte Hauptquartier mit dem Arzt gelitten hatte, als Lea gezwungen wurde, in den Himmel zurückzukehren. Niemand rechnete damit, dass sie wieder auftauchte und Gerry verbitterte. Gott sei Dank gab es ein Happy End.

„Genau, ich sage dir, reiß dich zusammen und jammer nicht rum. Es sind die gleichen Anzeichen, die wir alle durchgestanden haben. Allerdings könnte es ein, dass du es früher merkst oder länger drunter leidest, weil du jünger bist“, stimmte der Arzt ihm zu.

Erleichtert atmete Brian aus, er hatte sich schon Sorgen gemacht, dass er ernsthaft krank war. Natürlich nervte ihn diese innere Unruhe immer noch, aber nun wusste er, was dahintersteckte und die Neugierde überwog.

„Danke und gib Lea einen Kuss von mir, sie ist echt ein Engel“, damit verabschiedete sich der Werwolf und verließ grinsend den Raum.

Seine Schicht fing erst in vier Stunden an und jetzt wollte er sich im Fitness-Studio auspowern, vielleicht ließ sich die Zeit so ein wenig überbrücken.

Auf dem Weg in sein Zimmer malte er sich aus, was für eine Frau für ihn bestimmt war. Eventuell bekam er auch eine menschliche Partnerin oder jemanden aus einer völlig anderen Art.

Ganz in Gedanken stieß er beinahe mit Steward zusammen, der gerade auf dem Weg ins Büro der Hacker war.

Der Boss der Gestaltwandler bemerkte sofort das Grinsen in Brians Gesicht und freut sich mit ihm.

„Hat Gerry dir seine Theorie mitgeteilt?“, erkundigte er sich.

„Ja und ich bin heilfroh, dass es eine so einfache Erklärung gibt. Ich dachte schon, dass ich einen Dachschaden habe oder etwas Ähnliches“, antwortete der Werwolf erleichtert.

„Aber tu uns einen Gefallen und verrenn dich nicht. Es kann immer noch eine Weile dauern, ehe sie auftaucht“, riet Steward ihm, dann klopfte er ihm auf die Schulter und ging weiter.

„Nein, werde ich nicht, versprochen“, rief Brian ihm nach, ehe er die zwei Treppen hinauf rannte, sich umzog und anschließend in Rekordzeit im Fitness-Studio war.

Alle seine Brüder liebten das Training mit den Hanteln und er bildete da keine Ausnahme. Abgesehen von schnellen Fahrzeugen und leistungsstarken Motoren war das Krafttraining für die Söldner ein fester Bestandteil ihres Lebens, darauf verzichtete niemand freiwillig.

Brian wärmte sich auf dem Laufband gründlich auf, ehe er zu einer freien Hantelbank ging und sich seinem Workout widmete.

 

~~°~~

 

Cat lief zum Wasser, hier fühlte sie sich nicht ganz so unruhig, außerdem liebte sie den Fluss. An dem Stauwehr setzte sie sich ans Ufer auf eine Bank und starrte eine Weile auf die Wasseroberfläche. Jetzt im Februar gab es noch keine Touristen, die mit ihren Hausbooten auf dem Shannon fuhren und es war herrlich ruhig.

Immer wieder kreisten ihre Gedanken darum, dass sie ihre Heimatstadt verlassen musste und eine Träne rann ihr über das Gesicht. Ärgerlich wischte sie die nasse Spur fort. Auf keinen Fall würde sie Schwäche zeigen, egal wie elend es ihr ging, niemand sollte ihren Zustand ausnutzen.

Ehrlich gestand sie sich ein, dass sie sich in den letzten Monaten unmöglich benommen hatte, aber erst war da der Verlust ihres Vaters, und jetzt diese innere Unruhe.

Ständig hatte sie das Gefühl, sich nicht im Griff zu haben und so schaltete sie einfach den Kopf aus. Seufzend dachte sie an ihren Onkel, den sie wirklich mochte und ein kleines Bisschen freute sie sich auch auf ihn. Allerdings würde er ihr ganz schön die Leviten lesen, sobald er wusste, wie sie sich aufgeführt. Steward McFlann konnte ziemlich furchteinflößend sein.

Cat hing ihren Gedanken nach und verstrickte sich immer tiefer darin, sodass sie nicht mal bemerkte, dass es bereits dämmerte. Erst als die Straßenlampe direkt hinter ihr anging, schrak sie aus ihren Grübeleien hoch. Leise fluchte sie, ehe sie aufsprang und nach Hause rannte, ihre Mutter würde vor Sorge außer sich sein. Eine weitere Situation, die sie so nie gewollte hatte.

Vorsichtig öffnete sie die Tür und stand Elvira gegenüber.

„Es tut mir leid“, stieß sie hervor, und ehe sie etwas sagen konnte, lag Cat ihr weinend in den Armen.

„Ich will hier nicht weg“, schluchzte sie.

Behutsam strich Elvira ihrer Tochter über den Rücken, sie wusste, dass die Aufmüpfigkeit keinesfalls böse gemeint war, dennoch hatte sie den Bogen weit überspannt. Langsam gingen sie ins Wohnzimmer und setzten sich auf das Sofa.

„Ich vermisse Papa so sehr und seit fast drei Wochen spüre ich eine Unruhe, die mich wahnsinnig macht“, stieß Caitlin hervor, als sie sich etwas beruhigt hatte.

Lächelnd sah ihre Mutter sie an, diese Nervosität war ihr wohlbekannt, aber sie wollte keine falschen Hoffnungen in Cat wecken. Es konnte tausend Gründe haben, warum sie sich unstet fühlte, wobei die logischste Erklärung ein Gefährte war. Ihr war es damals vor dreihundert Jahren ganz ähnlich gegangen, ehe sie Graham kennenlernte.

„Es ist völlig normal, dass du ihn vermisst, mir geht es genauso“, tröstete sie ihre Tochter und überging das andere Thema geschickt.

„Trotzdem solltest du aufhören, dich gegen alles und jeden aufzulehnen. Ich glaube, dass es dir guttut, eine Weile bei Steward zu bleiben“, munterte Elvira sie auf.

Stumm nickte Cat, obwohl sie davon überhaupt nicht überzeugt war. Vielleicht konnte sie ihren Onkel dazubringen, dass er sie umgehend wieder nach Hause schickte? Oder ein gutes Wort für sie einlegte, immerhin war er nicht irgendwer.

Den Abend verbrachten die beiden Frauen vor dem Fernseher und genossen es zusammen zu sein. Am folgenden Tag würde Cat ihre Sachen packen und am Mittwoch zu Steward fliegen. Als Falke war sie schneller in Ballygannon, als wenn sie den Bus genommen hätte. Die Kleider für einen Tag konnte sie in ihren Krallen mitnehmen, den Rest musste sie mit einem Umzugsunternehmen nachsenden.

Müde kuschelte sie sich an ihre Mutter, den Film bekam sie kaum mit, da sie immer noch mit ihrer Zukunft beschäftigt war. Kurz nach Mitternacht gingen sie ins Bett, aber auch jetzt drehten sich ihre Gedanken im Kreis und raubten ihr den Schlaf.

Wie gerädert stand sie am Morgen auf und überlegte, was sie unbedingt mitnehmen wollte. Es musste für mindestens vier Wochen reichen, dabei hoffte sie, dass sie nach diesem Monat zurückkehren durfte.

Schon beim Frühstück war sie in sich gekehrt und still, was Elvira natürlich auffiel.

„Vielleicht lenkt es dich etwas ab, wenn du neue Eindrücke bekommst“, bemerkte sie leise.

Ihre Tochter lachte spöttisch auf.

„Glaubst du wirklich, dass ich Papa dann weniger vermisse? Oder mich komplett ändere, nur weil ich unter der Aufsicht von Onkel Stew stehe?“, erkundigte sie sich.

Von der anschmiegsamen jungen Frau, die einfach nur Angst hatte, war nicht mehr viel übrig geblieben. Jetzt trug Cat wieder die Maske, die ihre Unsicherheit und Sehnsüchte verbarg.

„Ich hoffe es“, murmelte ihre Mutter leise, ehe sie sich auf den Weg zur Arbeit machte.

Mürrisch packte Caitlin ihre Sachen zusammen, was schwieriger zu bewerkstelligen war, als sie gedacht hatte. Ihre Bücher würde sie wohl oder übel zurücklassen, allerdings wollte sie ihre Musikanlage auf jeden Fall mitnehmen. Ohne ihre Musik konnte sie einfach nicht sein. Dabei hoffte sie, dass es irgendwas in Ballygannon gab, was sie ablenkte, sonst starb sie vor Langeweile.

Einen Moment ließ sie sich auf das Bett sinken und überlegte, was sie mit ihrer Zukunft anfangen sollte. Ihr war klar, dass sie sich langsam um einen Studienplatz oder eine Ausbildung kümmern musste.

Das Abitur hatte sie schon seit ein paar Jahren in der Tasche, aber irgendwie fehlte ihr das Ziel. Ihr Vater hatte als Bote für die magische Regierung gearbeitet, bis man ihn einfach erschoss. Niemand wusste, ob es ein Unfall war, oder ob es mit seinem Auftrag zusammenhing.

Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie an ihn dachte. Selbst nach über einem Jahr tat es so unendlich weh. Sie vermisste ihn und sie würde alles tun, nur um noch einmal mit ihm sprechen zu dürfen.

Schnell wischte sie sich über das Gesicht, es brachte nichts herum zu heulen, also widmete sie sich wieder dem Packen.

 

~~°~~

 

Brian hatte sich am vergangenen Abend noch ausgiebig mit Lea unterhalten und auch sie war der Meinung, dass diese seltsame Nervosität mit dem Auftauchen seiner Gefährtin zu tun hatte. Jetzt saß er zusammen mit seinem Kumpel Patrick, einem Panther, im Überwachungsraum und schob Wachdienst.

In seinen Gedanken versunken starrte er auf die Monitore, auf denen sich erwartungsgemäß kein Eindringling zeigte. Ihr Hauptquartier war so gut gesichert, dass es eher selten vorkam, dass jemand es schaffte, auf das Gelände vorzudringen.

Das letzte Mal war es Emily gewesen und das lag jetzt schon ein Dreivierteljahr zurück. Die Gefährtin von David wollte damals beweisen, dass nichts an den Gerüchten um die Söldner dran war. Wie sehr sie sich getäuscht hatte, konnte sie kaum ahnen.

Brian holte tief Luft und tippte mit der Fußspitze im Takt auf den Boden.

„Du machst mich wahnsinnig. Was ist nur los mit dir?“, knurrte Patrick und blickte seinen Kumpel an.

„Keine Ahnung, ich bin unruhig, wobei das eine harmlose Umschreibung ist, für das was ich fühle. Gerry und Lea denken, dass dieser Zustand meine Gefährtin ankündigt. Dummerweise ist das jetzt schon so seit Lea abgeholt wurde“, brummte er.

Es gab keinen Grund seinem besten Freund die Wahrheit vorzuenthalten, zumal jeder im Hauptquartier darüber sprach.

„Stimmt davon hab ich gehört, aber glaubst du wirklich, dass du an der Reihe bist? Schau dir mal die anderen an, Logan ist mit seinen 483 Jahren der Jüngste, der seine Partnerin gefunden hat“, entgegnete der Panther.

Unschlüssig zuckte Brian mit den Schultern, er wusste es doch auch nicht. Andererseits was hatten Gefühle und Liebe mit dem Alter zu tun?

Die Zeit zog sich in die Länge und es tat sich, wie erwartet, nichts. Endlich wurden sie von Logan und David abgelöst und beide seufzten erleichtert auf.

Schnell verzog der Werwolf sich ins Fitness-Studio, hier fand er wenigstens ein wenig Ruhe. Immer wieder kreisten seine Gedanken um eine mögliche Gefährtin, dabei fühlte er sich absolut unsicher. Er überlegte ernsthaft, ob er jetzt schon bereit war, sich zu binden.

Irgendwie genoss er sein Leben in Unabhängigkeit, allerdings beneidete er Logan, David und Gerry. Die Bindung, die sie eingegangen waren, bedeutete für jeden Gestaltwandler etwas ganz Besonderes.

Während er Gewichte stemmte, bemerkte er nicht mal, dass auch Laurence und Steward den Raum betraten. Erst als der Boss des Hauptquartiers sich auf einer Hantelbank niederließ, hob Brian den Kopf.

„Geht es dir besser?“, wollte Stew wissen.

„Oh Mann, hier bleibt echt nix geheim. Redet jetzt etwa die gesamte Mannschaft über meinen Zustand?“, fauchte der Werwolf genervt.

Steward lachte leise und sah den jungen Gestaltwandler nachsichtig an.

„Wir alle sind fasziniert von Gerrys Theorie und hoffen natürlich, dass er richtig liegt. Allerdings tanzt du etwas aus der Reihe, was unter Umständen an den Geschehnissen in der letzten Zeit liegt“, hielt er dagegen, dann widmete er sich seinem Training.

Das verstand Brian sogar, ihm ging es ja kaum anders, wobei es ihm überhaupt nicht behagte, so im Fokus seiner Brüder zu stehen.

Auch diesen Tag brachte er mehr schlecht als recht hinter sich. Am Abend hatte er nicht mal Lust mit den restlichen Gestaltwandlern ins Hogans zu fahren, einem Pub, in dem sie sich öfter vergnügten. Stattdessen zog er sich früh in sein Zimmer zurück und hoffte, dass die Phase endlich ein Ende fand.

Verzweifelt hatte er Steward gebeten ihm irgendeine Aufgabe zu geben, die ihn ablenkte, doch es gab kaum was zu tun. Seine Gruppe wurde wegen Joleen geschont, die gerade erst zwei süßen Zwillingen das Leben geschenkt hatte. Aber auch die zweite Einheit lümmelte sich im Hauptquartier herum, es war wie die Ruhe vor dem Sturm.

Am nächsten Morgen fühlte er sich noch schlimmer, sein Herz raste und seine Hände zitterten, wie bei einem Junkie. Schweiß stand auf seiner Stirn, etwas das er so nicht kannte und langsam machte er sich ernsthafte Gedanken. Vielleicht täuschte Gerry sich und er war wirklich krank?

Auf der anderen Seite wusste er ziemlich genau, dass es sich um keine Krankheit im herkömmlichen Sinne handelte. Bei den Menschen würde man es Liebeskummer nennen, aber er hatte seine Liebste ja bisher nicht mal kennengelernt.

Schnell ging er duschen und hoffte sich bald unter Kontrolle zu bekommen, denn auf die Frotzeleien seiner Brüder konnte er gerne verzichten.

Beim Frühstück rutschte er auf dem Sitz hin und her, was die gesamte Aufmerksamkeit der Männer auf ihn zog.

„Ich glaube, wir checken dich gleich mal durch“, bemerkte Gerry, dem die extreme Nervosität als Erstem aufgefallen war.

„Meinst du, ich bin krank?“, wollte Brian unsicher wissen.

Die große Lippe, die er sonst riskierte, war völlig verschwunden und übrig blieb ein ziemlich verunsicherter junger Wolf.

„Nein, ich denke immer noch, dass du bald einer Frau begegnest, die dich extrem auf Trab halten wird“, zerstreute der Arzt seine Bedenken.

„Aber ich kann nicht in die Zukunft sehen und deshalb ist es meine Pflicht den Dingen auf den Grund zu gehen“, fügte er lächelnd hinzu.

Brian atmete auf, es war ihm auf jeden Fall lieber, wenn Gerry erneut alle Möglichkeiten durchging. Dankbar nickte er ihm zu, dann konzentrierte er sich auf sein Essen. Vielleicht lag es wirklich daran, dass er jünger war als seine Brüder.

Während David und Logan nach dem Frühstück zum Wachdienst gingen, folgte Brian dem Arzt in dessen Untersuchungszimmer. Wobei er froh war, dass Lea sich auch an diesem Tag ins Krankenhaus verabschiedete. Er mochte den Engel, aber das hier war doch sehr privat.

 

~~°~~

 

Cat erwachte mit einem dicken Kloß im Hals. Sie wusste sofort, dass sie in weniger als einem halben Tag auf dem Weg nach Ballygannon sein würde. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie schleunigst aufstehen musste, denn der Fahrer, der ihre Klamotten abholte, kam jede Minute bei ihnen an.

Schnell duschte sie, überprüfte erneut, ob sie alles eingepackt hatte, was ihr wichtig war, dann klingelte es auch schon.

Stumm sah sie zu, wie die Männer ihre Habseligkeiten in einen Sprinter verfrachteten und ihr versicherten, dass sie in gut drei Stunden dort sein würden. Auf dem Weg dorthin lieferten sie noch andere Dinge aus, daher brauchten sie länger als normal.

Cat war das egal, Hauptsache ihre geliebte Musikanlage kam unbeschädigt an. Allein die Vorstellung, dass sie in diesem Söldnerlager ohne Musik saß, erschreckte sie.

„Ich hoffe, dass wir uns bald sehen und du einsiehst, dass es das Beste für dich ist“, bemerkte ihre Mutter, als die Männer abgefahren waren.

Traurig sah sie Elvira an, anschließend schlang sie ihre Arme um die zierliche Frau.

„Ich wünschte, ich könnte hierbleiben“, murmelte Cat, dann hob sie den Kopf ein Stückchen höher und schluckte die Tränen hinunter.

Niemand würde sie klein bekommen und schon gar nicht, diese dämlichen Typen ihrer Regierung.

„Bitte Caitlin, hör auf Steward. Er wird dir helfen, wo er kann“, bat ihre Mutter und sah sie besorgt an.

Ohne darauf zu antworten, drehte Cat sich um und ging in den Garten, wo sie ihre Kleidung ablegte und zusammenfaltete. Viel konnte sie als Falke wohl kaum mitnehmen, so beschränkte sie sich auf eine Hose und ein langärmeliges Shirt.

„In der Nähe ist ein kleiner Wald, da ist es möglich, sich zu verwandeln. Stew wird dich erwarten, denn er sollte mein Schreiben bereits bekommen haben“, vermutete Elvira.

Siedend heiß fiel Cat ein, dass sie vergessen hatte, den Brief abzuschicken, aber jetzt war keine Zeit das einzugestehen. Sie verstand ebenso wenig, wieso ihre Mutter Steward nicht einfach angerufen hatte, allerdings interessierten sie im Moment völlig andere Dinge.

Die Frauen umarmten sich stumm, dann leitete sie die Verwandlung ein. Kurz darauf saß ein prächtiger Saker-Falke im Gras, der die Kleidung packte und sich in den Himmel schraubte.

In dieser Form konnte sie die Trauer besser verarbeiten, außerdem fühlte sie sich so endlich frei. Die Nervosität ließ nach, wenn sie auch keinesfalls ganz verschwand.

Immer schneller gewann sie an Höhe und schoss pfeilschnell durch die Luft. Ein heiserer Schrei, ihr Jagdruf, entrang sich ihrer Kehle, während sie sich der Thermik anpasste und der Wind sie mit sich trug.

Unter ihr sah sie den Shannon, der sich träge durch die Landschaft schlängelte, dann drehte sie ab, um zu ihrem neuen Zuhause zu kommen.

Es war ein kalter Wintertag, aber in ihrer Tiergestalt spürte sie das nicht, der Falke in ihr genoss die Freiheit.

Sie bemerkte die Autobahn, die um diese Uhrzeit kaum befahren war. Wieder einmal wurde ihr bewusst, wie sehr sie ihre Heimat liebte. Die grüne Insel gab ihr Kraft, wie so vielen magischen Geschöpfen.

Wiesen und Felder wechselten sich ab, beide lagen im Winterschlaf, der im nächsten Monat beendet wurde, doch noch ruhte die Erde.

Ein feiner Nieselregen benetzte ihre Federn, was sie nicht weiter störte. Kraftvoll schlug sie mit ihren Flügeln, schraubte sich ein wenig höher in den Himmel und genoss es sich an keine Regeln halten zu müssen.

Unter ihr erkannte sie Kilbegan und sie wurde schneller. Dort hatte sie die erste Destillerie Irlands mit ihrem Vater besucht, als sie alt genug war, um den Whiskey auch zu probieren. Die Erinnerungen drangen mit Gewalt in ihr Bewusstsein und raubten ihr die Gelassenheit, die sie in dieser Form verspürt hatte.

Es wurde Zeit nach Süden zu fliegen. Obwohl sie es kaum eilig hatte, wollte sie die Begegnung mit ihrem Onkel hinter sich bringen. Er war gewiss nicht sonderlich froh, sie unter den Umständen zu sehen, und wenn sie ehrlich war, schämte sie sich, dass es so weit kommen musste.

Noch einmal drehte sie in südliche Richtung und sah vor sich die Wicklow Mountains auftauchen oder besser gesagt einen Teil davon. Die Berge hoben sich ihr entgegen und einen Moment überlegte sie, ob sie eine Pause machen sollte, doch dann entschied sie sich dagegen.

In ihr keimte eine Idee, die ihr gefiel. Da sie schon zum schwarzen Schaf abgestempelt wurde, wollte sie diese Rolle auch übernehmen.