Endstation Sklavin ?

Gypsy Bar
 

Entsetzt musste Diana am Montagmorgen feststellen, dass wieder jemand in ein Geschäft eingebrochen hatte. Dieses Mal war es ein Optiker, der seinen Laden ein paar Häuser von ihrem Sportgeschäft entfernt hatte. Suchend ließ sie ihren Blick über die kleine Menschenmenge schweifen. Auch, ohne ihn zu sehen, wusste Diana, dass sie einen Mann mit schwarzen Haaren dort finden würde. Gerade als sie sich umdrehen und zu ihrem Geschäft gehen wollte, trafen sich ihre Blicke.
Diana wollte das nicht glauben, aber immer, wenn in dieser Straße eingebrochen wurde, war dieser Mann in der Nähe. Dieser Mann, der sie mit einem einzigen Kuss um den Verstand bringen konnte.
Nachdenklich drehte sie sich um und ging in ihr Geschäft. Sie sollte sich aus solchen Sachen heraus halten. Oder sollte sie doch besser zur Polizei gehen?
Noch ehe sie ihre Gedanken beendet hatte, klingelte die Tür und zeigte ihr an, dass Kunden das Geschäft betreten hatten.
Sie atmete tief durch, setzte ein freundliches Lächeln auf und trat in den Verkaufsraum raus.
Caleb sah ihr entgegen und wie jedes Mal raubte ihm ihr Anblick den Atem.
„Du? Was willst du?“, fragte Diana betont grob.
Caleb lächelte. Sie konnte ja nicht wissen, dass er nicht der Böse war. Für sie musste es so aussehen, als ob er der Einbrecher wäre.
„Ich wollte dich sehen“, sagte er schlicht.
Dianas Augen verengten sich zu Schlitzen. Sie würde ihm so gerne glaube, aber sie wusste ja nicht mal seinen Namen.
„Ist klar und morgen schneit es rote Rosen“, antwortete sie sarkastisch.
Caleb verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich an die Eingangstür.
„Würdest du bitte die Tür frei machen? Immerhin könnten Kunden kommen“, forderte Diana ihn auf.
„Nein, wir müssen reden. Und zwar jetzt sofort“, antwortete Caleb ihr hart.
Diana wurde in diesem Moment bewusst, dass sie ganz alleine mit diesem Mann hier im Geschäft war. Unsicher blickte sie sich um, ob irgendwas sie schützen würde.
„Du brauchst keine Angst zu haben, ich will dir wirklich nichts tun“, versuchte Caleb, sie zu beruhigen.
Diana musterte ihn, wieder würde sie ihm gerne glauben, aber was wusste sie schon über ihn?
Caleb spürte in seinem Rücken, dass der Schlüssel noch steckte, er musste Diana ziemlich überrascht haben. Schnell schloss er die Tür ab, ging die paar Schritte zu Diana und schob sie in den Raum hinter dem Verkaufsraum.
„Sei still und hör mir zu, sonst werde ich dich knebeln, klar?“, fragte er ernst.
Diana nickte verschüchtert. Dieser Situation war sie einfach nicht gewachsen. Sie konnte nichts gegen ihn ausrichten. Und zu allem Überfluss klopfte ihr Herz auch noch schneller und diese doofen Schmetterlinge in ihrem Magen flatterten auch wie wild. Aber wie konnte das sein, dieser Mann kidnappte sie doch gerade oder?
Caleb nickte zu einem Stuhl und Diana setzte sich folgsam hin. Sie hatte mal gelesen, dass man solche Menschen besser nicht reizte.
„Ich tue dir nichts, das verspreche ich dir. Aber es gibt jemanden, der dir wehtun will, nur weil du mich kennst“, begann er ruhig.
Diana sah ihn ungläubig an.
„Das glaube ich dir ja gerne, aber schau mal, ich kenne nicht mal deinen Namen“, versuchte sie, ihn zu überzeugen.
Caleb zog sich einen Stuhl heran und seufzte.
„Leider hat er uns zusammen gesehen und das reicht ihm. Bitte Diana ich kann dir noch nicht alles sagen, aber er ist gefährlich.“
Diana war davon überzeugt, dass dieser Mann leider den Verstand verloren hatte. Schizophren nannte man das wohl. Immerhin war er, doch der, der hier in ihrem Laden saß und sie festhielt.
„Ich werde mich von dir fernhalten“, versprach sie ernst.
Caleb lächelte.
„Dazu ist es zu spät. Er weiß, dass er mich erpressen kann, wenn er dich hat.“
Mit einem Ruck zog Caleb Diana auf seinen Schoß. Er wollte sie einfach nur in Sicherheit wissen, aber sicher war sie nur, wenn er sie beschützen konnte.
Caleb hatte sich schon vor ein paar Monaten in diese entzückende Frau verliebt. Immer wenn seine Zeit es zuließ, war er in ihrer Nähe, nur bisher hatte er es noch nicht geschafft sie anzusprechen. Und jetzt war der denkbar ungünstigste Augenblick. Wenn Roman einen Weg finden würde, an Diana heran zu kommen, würde er sofort zuschlagen, nur um ihm eins auswischen zu können.
Diana saß steif und ängstlich auf Calebs Schoß.
„Wer ist er denn?“, fragte sie schüchtern.
Vielleicht konnte sie diesen Mann dazu bringen, einzusehen, dass da kein anderer war, der ihr etwas tun wollte.
„Roman, er ist mein Schwager“, antwortete Caleb ehrlich.
Diana sah ihn an.
„Und bitte wer bist du?“, fragte sie vorsichtig weiter.
„Ich heiße Caleb Runhardt. Mir gehört die Gypsy-Bar am anderen Ende der Stadt.“
Diana nickte, von dieser Bar hatte sie gehört.
„Bitte, ich werde dich nicht verraten und dich auch nicht irgendwie anzeigen oder so. Lass mich doch einfach in Ruhe“, bat sie leise.
Caleb lachte und strich ihr vorsichtig eine Strähne aus dem Gesicht.
„Selbst wenn du nicht in Gefahr wärst, könnte ich es nicht. Jetzt nicht mehr“, gab er heiser von sich und küsste sie.
Wieder versank Diana in diesem Kuss. Der Gedanke, dass sie sich wehren sollte, streifte sie kurz, ehe sie wie von selbst ihre Arme um seinen Nacken legte.
Caleb sah ihr in die Augen.
„Verlieb dich nicht in mich, ich bin nicht gut für dich“, warnte er leise.
Diana sah ihn an und schüttelte den Kopf.
„Wieso küsst du mich dann so? Wieso lässt du mich dann nicht einfach in Ruhe?“, wollte sie wissen.
Caleb lachte leise auf.
„Weil ich das nicht kann. Du hast mich so fasziniert, das hat noch nie eine Frau geschafft“, gab er ehrlich zu.
Ehe Diana etwas sagen konnte, küsste er sie wieder.
Als Caleb von ihr abließ, rückte sie ein Stückchen ab, eben so weit, seine Arme sie ließen. Wenn er sie so küsste, konnte sie einfach keinen klaren Gedanken fassen.
Sicher wusste sie, dass der Geschäftsführer der Gypsy-Bar einen sehr schlechten Ruf hatte. Überhaupt die ganze Gesellschaft, die sich dort aufhielt, genoss nicht gerade den Ruf, Waisenknaben zu sein.
Diana bemerkte erschrocken, dass nicht mal diese Information ihr Herz wieder normal schlagen ließ.
„Woher weißt du eigentlich, wie ich heiße“, fragte sie ihn mehr neugierig als ängstlich.
Sein leises Lachen klang liebevoll und Diana sah ihn direkt an.
„Du bist recht bekannt hier in der Stadt, außerdem wäre ich wohl ziemlich dumm, wenn ich nicht mal die Aufschrift auf der Tür lesen könnte oder?“
Innerlich schüttelte Diana den Kopf über sich, wie hatte sie das nur vergessen können? Verzweifelt überlegte sie was sie sagen oder tun könnte, um von ihrem Fauxpas abzulenken.
„Ich muss den Laden aufschließen“, brachte sie leise hervor.
Caleb sah ihr tief in die Augen.
„Ja das musst du, aber glaub nicht, dass du mich dadurch für immer verscheuchen kannst. Verzeih mir, aber ich kann dich nicht mehr gehen lassen“, raunte er ihr ins Ohr, ehe er sie aufstehen ließ.
Diana sah ihn verwirrt und ratlos an. Es war ja nicht gerade so, als hätte sie ihn wirklich abgewehrt, ganz im Gegenteil.
Caleb lächelte hintergründig.
„Du wirst mir gehören und meine dunkle Seite kennenlernen“, versprach er ihr.