Leseprobe “Wild Things - Dem Jaguar verfallen”

Zitternd stolperte sie aus der kaputten Tür und bemerkte, dass es angefangen hatte zu regnen. Mit einem Satz war sie über die vier Stufen gesprungen. Jetzt war nur noch das Tor vor ihr, wenn sie auf der Zufahrt war, hatte sie die Chance in den nahegelegenen Wald zu rennen und sich dort zu verstecken.

Verzweifelt warf sie sich gegen das Eisentor, das dummerweise klemmte, dabei horchte sie auf die Schritte, die immer näher kamen und die Stimmen aus dem Haus.

Endlich gab das Tor nach und sie spurtete auf die Straße. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass ihr Verfolger sich nicht lange mit dem Gartentor aufhielt, sondern mit einem Satz darüber sprang.

Sie war nicht einmal zwei Meter weit gekommen, als sich seine Arme wie Eisenspangen um sie schlossen. Vor Panik bekam sie keinen Laut heraus, doch sie wehrte sich mit allem, was sie zu bieten hatte.

Wild schüttelte sie mit dem Kopf, versuchte ihm einen Kopfstoß zu verpassen, gleichzeitig stemmte sie sich so gegen ihn, dass er fast aus dem Gleichgewicht kam.

Joleen strampelte, kämpfte gegen ihn an, in der verzweifelten Hoffnung freizukommen.

„Ganz ruhig, ich hab dich“, erklang seine dunkle Stimme an ihrem Ohr.

Noch war sie nicht gewillt aufzugeben und wieder stieß sie sich vom Boden ab, um ihn umzuwerfen.

„Beruhige dich“, zischte er ihr zu.

Sie hörte Schritte auf sie zukommen.

„Warte Logan, ich bin gleich da“, ertönte eine weitere Stimme.

Jo sah nichts mehr, ihre nassen Haare hingen ihr wie ein Vorhang ins Gesicht und Regentropfen rannen ihr in die Augen.

Wieder schüttelte sie den Kopf, um freie Sicht zu bekommen, als sie den großen Mann sah, der jetzt bei ihnen angekommen war. Er hielt eine Spritze in der Hand und sie versuchte, ängstlich zurückzuweichen.

„Ruhig, ganz ruhig, niemand tut dir was“, flüsterte ihr der Soldat zu.

„Ich gebe ihr eine Beruhigungsspritze“, teilte der zweite Typ seinem Kameraden mit.

„Nein“, bellte Logan hart, woraufhin der andere sich zurückzog.

Ihre Gegenwehr erlahmte, sie hatte keine Kraft mehr und sank erschöpft in sich zusammen. Sein Griff wurde sanfter, langsam glitten seine Hände über ihre Arme, ergriffen ihre kalten Finger, während der Regen auf sie niederprasselte.

„Komm ich bring dich ins Trockene“, murmelte er und schob sie ein kleines Stückchen von sich, allerdings ohne sie loszulassen.

Resignierend ließ Jo sich wieder in die Villa führen, dabei hielt sie den Kopf gesenkt, auf keinen Fall wollte sie dem hämischen Grinsen von Jörg oder seinem Kumpel begegnen.

„Alles gesichert, Namtar ist bereits auf dem Weg ins Hauptquartier, ebenso  seine Werwölfe“, berichtete gerade ein Soldat seinem Vorgesetzten, der im Flur stand.

„Gut holt die restlichen Frauen, wir brechen auf“, befahl der blonde Mann, dabei sah er fragend auf Logan.

„Wie ich sehe, hast du sie wieder eingefangen, und weil du darin ja schon geübt bist, passt du weiter auf sie auf“, ordnete er mit einem breiten Grinsen an.

Logan knurrte leise, zog Jo aber etwas dichter an sich.

„Bin ich jetzt zum Kindermädchen degradiert worden?“, erkundigte er sich unwillig.

Es folgte keine Antwort, denn die restlichen Soldaten hatten alle Hände voll zu tun, um die vier Gefangenen unter Kontrolle zu bekommen. Sandra wehrte sich wie eine Furie, sie spuckte, kratze und biss.

Schnell trat der Mann mit der Spritze in der Hand auf sie zu, während zwei weitere Kerle Sanny festhielten, spritzte er ihr das Beruhigungsmittel. Sofort waren auch die anderen Frauen still, als ihre Anführerin zusammensackte.

„Möchte noch jemand von den Damen?“, wollte der Typ wissen und sah fragend in die Runde.

Betreten schüttelten sie die Köpfe und folgten den Soldaten problemlos zu einem Van, der Platz für acht Personen hatte.

„Fahrt schon mal vor, ich nehme mir ein Taxi und ordere uns einen Flug“, rief der Anführer der Truppe, als sie in das Fahrzeug gepfercht wurden.

Logan ließ Joleen auch jetzt nicht los, sondern sah sie eindringlich an. Verlegen wandte sie den Blick ab, sie war müde, völlig verängstigt und verunsichert. Zitternd saß sie neben ihm, während sie langsam die schmale Zufahrtsstraße entlang fuhren.