Leseprobe “ást - Liebe auf Isländisch”

Als sie ins Schwimmbad kam, war Martin schon mit seinen Freunden im Wasser. Dana ging die Treppe runter und bemerkte sofort einen blonden Mann, der auf dem Sprungbrett stand. Dana konnte nicht mal sagen, warum er ihr auffiel. Er war nicht so auffällig wie Martin, er sah nicht mal so gut aus, wie er. Aber irgendetwas ließ sie immer wieder unauffällig zu ihm rüber sehen. Doch dann war sie bei Martin und seinen Freunden und ihr wurde klar, dass sie besser keinen anderen Mann ansehen sollte.

"Du kannst jetzt mit deinem Training beginnen", meinte Martin kühl.

Einer seiner Freunde legte einen Arm um ihre Schultern.

"Du kannst natürlich auch hier bei uns bleiben. Wenn du es willst", dabei ließ er seinen Blick anzüglich über ihren Körper wandern.

Die Männer lachten, sogar Martin. Dana versuchte sich, von diesem Kerl zu befreien, aber sie schaffte es nicht sofort. Aus den Augenwinkeln sah sie den Mann, der ihr sofort aufgefallen war, der sich der Gruppe näherte.

"Lass sie, Jan. Du kommst noch an die Reihe, aber erst bin ich dran. Und jetzt sieh zu, dass du deine Runden schwimmst", meinte Martin ruhig.

Sofort entfernte Dana sich und überlegte, was er damit meinte, dass Jan noch an die Reihe kommen würde. In ihre Gedanken versunken bemerkte sie nicht, dass sie von dem blonden Mann beobachtet wurde. Als sie auf die Uhr sah, merkte sie, dass sie schnell zu Martin zurückschwimmen sollte. Er wartete schon auf sie, aber hier im Wasser unter den Augen des Bademeisters würde er ihr nichts tun können.

"Du bist spät dran und jetzt beeil dich besser", zischte er ihr zu.

Dana nickte und griff an ihr Handgelenk, wo sie den Spindschlüssel befestigt hatte. Erschrocken stellte sie fest, dass er weg war.

"Martin, ich habe meinen Schlüssel verloren", gestand sie leise und zitternd, als sie schon fast an der Tür zu den Duschen waren.

Martin fuhr herum. "Was soll das heißen?", schrie er.

"Ich kann nichts dafür. Bitte glaube mir", flehte Dana leise.

In dem Moment sah sie, wie der blonde Mann vom Sprungbrett gezielt ins Becken sprang. Kurz darauf tauchte er wieder auf und grinste sie an. Er stieg aus dem Wasser und ging zu ihr.

"Du hast da was verloren", meinte er und hielt ihr den Schlüssel hin.

Dana lächelte ihn an. "Ich danke ihnen."

Mehr bekam sie nicht raus, außerdem packte Martin sie schon wütend am Arm.

"Vielen Dank für ihre Hilfe. Und jetzt entschuldigen sie uns."

Martin zerrte Dana unsanft mit sich. Und bevor die Tür sich schloss, konnte der Fremde sehen, wie Martin zuschlug.

Dana hatte das Gefühl, als platze ihr Kopf auseinander. Sie prallte gegen die Wand hinter ihr und sackte zu Boden. Martin stand sofort über ihr.

"Ich werde dich lehren mit anderen Männern zu flirten", schrie er außer sich vor Wut.

Er hob die Hand, doch im nächsten Moment wurde er zurückgerissen.

"Das reicht", brummte der fremde Blonde.

Dana sah ihn verschwommen, doch sie war unendlich dankbar, dass er dazwischen getreten war.

"Halten sie sich raus, Mann", schrie Martin. "Sie ist meine Verlobte und sie wird sich an meine Regeln halten."

Damit wollte er wieder auf Dana losgehen, aber der Fremde packte ihn wie eine Katze am Nacken und schleuderte ihn in die andere Richtung.

"Ich sagte, es reicht", meinte er mit einem stark nordischen Akzent.

Dann ging er zu Dana und half ihr auf.

"Geht es?", fragte er besorgt.

Dana nickte vorsichtig. "Ja, ich denke schon. Danke."

Sie wollte sich an ihm vorbei in die Dusche schleichen, aber er hielt sie zurück.

"Du musst keine Angst mehr vor dem Irren haben. Ich werde hier auf dich warten", versprach er.

Dana schluckte und ihr rannen die Tränen die Wangen herunter.

"Das wird nichts nützen. Bitte machen sie ihn nicht noch böser."

Damit verschwand sie unter der Dusche.

Martin stand jetzt hinter dem Fremden.

"Gehen sie, solange sie noch gehen können", meinte er leise.

Der andere drehte sich um.

"Willst du Würmchen mir drohen?"

Er konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Er war gut zwei Köpfe größer als Martin. Doch in diesem Moment kamen Martins Freunde. Sie stellten sich neben ihn und grinsten siegesgewiss.

"Du brauchst also Unterstützung? Gut, dann habe ich dieses Recht auch."

Er pfiff auf den Fingern und einige Augenblicke später kam ein weiterer blonder Mann aus dem Schwimmbad. Er rief dem anderen einige Worte in einer fremden Sprache zu und grinste dann breit, als er auf die Gruppe zu schlenderte. Immer noch grinsend musterte er die Gruppe.

Martin und seine Freunde wurden unsicher. Außerdem würde es bestimmt kein gutes Licht auf sie werfen, wenn sie eine Schlägerei im öffentlichen Schwimmbad anzettelten.

"Ich schlage vor, wir vergessen es, wie vernünftige Männer", meinte Martin.

Die beiden Fremden grinsten. "Wir sind nicht auf Prügeleien aus."

Die Gruppe zerstreute sich und nur der Fremde blieb in der Nähe der Frauendusche stehen. Martin sah es mit wachsendem Zorn, aber er wollte sich nicht mit dem Riesen anlegen. Um sich abzukühlen, ging er duschen. Mit Dana konnte er auch noch zu Hause abrechnen. Irgendwann musste sie ja nach Hause kommen.

Dana verließ die Dusche und sah erfreut, dass der Fremde sein Wort gehalten hatte. Sie lächelte ihn an und ging zu ihrem Spind. Er folgte ihr.

"Pass auf, ich werde mich auch umziehen, und wenn du fertig bist, dann gehen wir etwas essen", schlug er vor.

Dana schüttelte den Kopf.

"Nein, danke. Ich habe auch so schon genug Schwierigkeiten."

Sie hätte ihn so gerne um seinen Schutz gebeten, aber sie traute sich nicht.

Der Fremde bemerkte es sofort.

"Gut, dann trinken wir wenigstens einen Kaffee zusammen."

Dana nickte. Sie würde sowie so von Martin verprügelt werden und viel schlimmer konnte sie es auch nicht machen, wenn sie mit dem Mann einen Kaffee trinken ging. Außerdem hätte sie so wenigstens etwas Ruhe für ihre überreizten Nerven. Schnell zog sie sich um, und als sie die Kabine verließ, sah sie, dass Martin auf sie zu kam.

Sie zuckte zusammen und wollte schon wegrennen, als sie den Fremden sah, der Martin grob zur Seite stieß und im nächsten Moment an ihrer Seite war.

"Du entschuldigst uns. Ich werde sie bestimmt gut nach Hause bringen", meinte er vergnügt zu Martin.

Doch Dana zitterte, sie konnte genau die Drohung in seinen Augen lesen. Aber irgendwie war ihr bewusst, dass dieser Fremde ihre einzige Chance war. Sie fasste ängstlich nach seiner Hand und sah ihm in die Augen. Er zog sie beruhigend an sich und brachte sie aus dem Gebäude.

Auf dem Parkplatz setzte er sie in seinen Patrol und fuhr sofort los. Doch er konnte schon nach einigen Sekunden Martins Porsche im Spiegel ausmachen.

Dana schloss zitternd die Augen.

"Bitte, sie gehen ein großes Risiko für mich ein. Fahren sie mich einfach nach Hause. Er wird mich schon nicht umbringen. Sie können mir ja doch nicht helfen", meinte sie resignierend.

Der Fremde lachte.

"Ich gehe kein Risiko ein. Und ich werde dir helfen."

Grinsend sah er sie an, dann bog er in einen Waldweg ein und kurz darauf war von Martins Auto nichts mehr zu sehen.

"Hier kann er nicht her."

Dana atmete aus und ließ sich in den Sitz zurückfallen. Unauffällig musterte sie den Mann neben sich. Sie erwartete, dass er sie mit Fragen bestürmen würde, aber er schwieg. Sie fuhren fast durch den ganzen Wald und dann über einen Schotterweg. Er parkte vor einem großen Gebäude, das Dana leicht als Reithalle erkennen konnte. Galant hielt er ihr die Tür auf.